Landgericht Hamburg Tochter gestalkt, auf Mutter geschossen – mehr als elf Jahre Haft für Mordversuch

Ein Mann schoss auf eine Frau und ihren Sohn – weil er von der Tochter zurückgewiesen worden war. Der 13-Jährige musste seine verletzte Mutter ins Haus ziehen.
Strafjustizgebäude in Hamburg: Sitz des Landgerichts

Strafjustizgebäude in Hamburg: Sitz des Landgerichts

Foto: Christian Charisius/ dpa

Im Prozess um einen versuchten Mord an einer 53 Jahre alten Frau in Hamburg-Wilhelmsburg hat das Landgericht Hamburg den Angeklagten zu einer Haftstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt.

Der 24-Jährige habe sich des Mordversuchs in zwei Fällen, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Straftaten schuldig gemacht, sagte die Vorsitzende der Strafkammer, Birgit Woitas.

Der Angeklagte hatte nach Überzeugung des Gerichts am 11. März 2021 auf die Frau und ihren damals 13 Jahre alten Sohn geschossen – vor dem Haus der Familie.

Motiv für die Tat war die Verärgerung des Mannes über die Tochter der 53-Jährigen. Die Abiturientin habe seine Annäherungsversuche zurückgewiesen. Er habe das nicht akzeptiert und sie über ein Jahr lang gestalkt, sagte die Richterin.

Sohn zog verletzte Mutter ins Haus

Anfang 2021 schickte der Angeklagte einer unbeteiligten Frau über Instagram Drohungen und Penisfotos, weil er sie irrtümlich für die Tochter hielt. Da er annahm, er werde von der Mutter als Vergewaltiger verleumdet, geriet er in Wut. Am Tattag überraschte er die Frau und ihren Sohn vor der Haustür, schrie sie an und schoss unvermittelt auf die beiden. Der unverletzte Sohn zog die Mutter ins Haus und schloss die Tür. Die 53-Jährige war durch die Schüsse schwer am Kopf verletzt worden und war in potenzieller Lebensgefahr, wie die Richterin sagte.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Die Nebenklagevertreterin hatte zudem beantragt, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Die Verteidigung hatte sich für eine Strafe von maximal fünf Jahren Haft ausgesprochen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ptz/dpa