Kinderporno-Prozess Magier Jan Rouven drohen 90 Jahre Haft

Der deutsche Zauberkünstler Jan Rouven steht in den USA wegen des Besitzes Tausender Kinderpornos vor Gericht. Zu Prozessbeginn ließ die Staatsanwältin "keine begründeten Zweifel" an seiner Schuld.

Magier Jan Rouven in der Show (2007)
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Magier Jan Rouven in der Show (2007)


In Las Vegas hat der Kinderpornographie-Prozess gegen den aus Nordrhein-Westfalen stammenden Magier Jan Rouven mit der Verlesung der Anklage begonnen. In ihrem rund einstündigen Vortrag listete Staatsanwältin Elham Roohani die Anklagepunkte gegen den 39-Jährigen auf, für die sie einen Strafrahmen von bis zu 90 Jahren Gefängnis und einer Million Dollar Geldstrafe skizzierte. Roohani zufolge gibt es "keine begründeten Zweifel", dass Rouven bis zu 9000 kinderpornographische und zum Teil passwortgeschützte Videos besessen habe.

Die Verteidigung behauptet, Rouven habe nichts mit den Tausenden Videos und Bilder zu tun, die Ermittler des FBI auf insgesamt neun Datenträgern im Haus des Magiers entdeckt hatten. Darunter sollen auch Aufnahmen sein, die den Missbrauch von Kindern im Kindergartenalter zeigen.

Vernichtete der Magier mit seinem Ehemann Beweismaterial?

Ein Anwalt des Zauberkünstlers, Jess Marchese, beschwerte sich, dass die Staatsanwältin die Tatsachen falsch bewerte. Sein Mandant habe nicht gewusst, dass Kinderpornographie auf Computer in seinem Haus heruntergeladen worden war. "Wir glauben, dass jemand anderes auf sein Konto zugegriffen hat", sagte Marchese am Rande des Prozesses.

Bereits vor Beginn des Verfahrens hatte die Verteidigung argumentiert, in dem großen Haus am Stadtrand von Las Vegas seien viele Besucher ein- und ausgegangen. Rouven wohnte dort mit seinem Ehemann und Manager Frank Alfter. Alfter ist nach Angaben des Anwalts zurück in Deutschland, als Zeuge werde er nicht zu dem Prozess erwartet. In der Anklage wird er als "Mitverschwörer" gelistet, aber nicht direkt belangt. Gemeinsam sollen beide versucht haben, Beweismaterial zu vernichten.

Rouvens seit 2014 laufende Magiershow im Tropicana-Casino, "The New Illusions", wurde nach seiner Festnahme am 16. März beendet. Seither sitzt der Illusionist aus Kerpen in Nordrhein-Westfalen in Untersuchungshaft. Ein Antrag auf Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt. Es bestünde Fluchtgefahr, außerdem sei Rouven eine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Anstatt eines Gerichtsprozesses vor einer Jury hat Rouven einen Einzelrichter gewählt. Der Beginn des Verfahrens war bereits mehrfach verschoben worden. Am Mittwoch wollen Rouven und sein Anwalt in dem mehrtägigen Prozess aussagen.

apr/AP



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