Organspendeskandal Patientin kam mit Wodka zur Lebertransplantation

Täglich eine Flasche Schnaps, auch im Krankenhaus: Im Prozess um den Göttinger Transplantationsskandal hat eine Krankenschwester ausgesagt, im Gepäck einer Patientin Wodka gefunden zu haben. Die Frau soll dennoch eine neue Leber erhalten haben.
Universitätsklinikum Göttingen: Patientin mit Schnaps im Gepäck

Universitätsklinikum Göttingen: Patientin mit Schnaps im Gepäck

Foto: Stefan Rampfel/ dpa

Göttingen - Sie kam zur Organtransplantation - und brachte Schnaps mit: Im Universitätsklinikum Göttingen soll eine Patientin eine neue Leber erhalten haben, die mit einer Flasche Wodka in die Klinik gekommen war.

Das sagte im Göttinger Transplantationsprozess eine Krankenschwester aus. Die Frau berichtete vor dem Landgericht, dass sie die Flasche in der Reisetasche der Patientin gefunden habe. Sie habe den Inhalt daraufhin ausgeschüttet, sagte die Krankenschwester laut "Hamburger Abendblatt". Die Patientin selbst habe zuvor zugegeben, täglich mindestens eine Flasche Wodka zu sich genommen zu haben. In der Regel muss aber sichergestellt sein, dass ein Patient mindestens sechs Monate vor einer Lebertransplantation keinen Alkohol mehr zu sich nimmt.

Im Göttinger Organspendeprozess muss sich der ehemalige Chef der Transplantationsmedizin der Uni-Klinik verantworten. Der 46-jährige Aiman O. soll die Blutwerte seiner Patienten dahingehend manipuliert haben, dass sie in der Organ-Warteliste weiter nach oben rutschten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Medizinprofessor versuchten Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor.

Bei dem Prozess handelt es sich um das bundesweit erste Verfahren, in dem einem Arzt nach Manipulation von Patientendaten ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird. Nachdem der Organspendeskandal 2012 bekannt geworden war, ging 2013 die Zahl der Organspenden in Deutschland um 16 Prozent zurück und erreichte den tiefsten Stand seit Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997.

Anm. d. Red:
Das Urteil des Landgericht Göttingen, das O. im Jahr 2015 vom Vorwurf des versuchten Totschlags in elf Fällen sowie vom Vorwurf der Körperverletztung mit Todesfolge in drei Fällen freigesprochen hatte, ist vom Bundesgerichtshof mit Urteil vom 28. Juni 2017 bestätigt worden. Der Freispruch ist damit rechtskräftig.

mxw/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.