Rassistischer Übergriff 20 Jugendliche verprügeln Polen in Leeds

In Großbritannien ist erneut ein Pole von einer Gruppe Jugendlicher attackiert worden. Der Mann liegt im Krankenhaus, die Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus.


Im britischen Leeds haben etwa 20 Jugendliche einen polnischen Mann attackiert und schwer verletzt. Es handele sich offenbar um eine erneute rassistische Attacke auf einen EU-Ausländer, teilte die Polizei mit. Seit dem Brexit-Votum ist es in England mehrfach zu Gewalttaten gegen EU-Bürger aus anderen Staaten gekommen - vor allem gegen Polen.

Das Opfer des jüngsten Übergriffs sei getreten und geschlagen worden, heißt es in einer Mitteilung der Ermittlungsbehörden. Der 28-Jährige liege seit der Attacke von Freitagnacht mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus. Auf ein fremdenfeindliches Motiv lassen demnach Äußerungen der 16 bis 18 Jahre alten Männer gegenüber ihrem Opfer und dessen Begleitung schließen.

"Ich möchte den Menschen versichern, vor allem der polnischen Community, dass wir keine Hassverbrechen dieser Art tolerieren und dass wir alles tun werden, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen", teilte Polizeichef Paul Money mit. Der Übergriff werde als Einzelfall eingestuft, nicht als Ausdruck eines generellen Problems in der Region.

Mehrere Überfälle auf Polen

Zuletzt war Ende August ein polnischer Fabrikarbeiter auf einem Markt in Harlow, einer Arbeiterstadt nordöstlich von London, angegriffen worden. Er erlag später seinen schweren Kopfverletzungen. Die britische Polizei ermittelt gegen sechs Jugendliche aus der Gegend, unter anderem wegen eines Hassverbrechens.

Wenige Tage später wurden in Harlow zwei Polen angegriffen. Dabei erlitt einer von ihnen einen Nasenbeinbruch, ein anderer eine Schnittwunde am Kopf, wie die Polizei in der südostenglischen Grafschaft Essex mitteilte. Zeugen zufolge gingen vor einem Pub vier oder fünf Angreifer auf die beiden etwa 30 Jahre alten Männer los - nur Stunden nach einem Schweigemarsch Hunderter Polen in Harlow, mit dem sie an den getöteten Fabrikarbeiter erinnern und zur Einheit aufrufen wollten.

Die Taten verärgerten die Regierung in Warschau, die von der Regierung in London besseren Schutz für ihre Landsleute forderte. Der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Rafal Sobczak, kündigte in polnischen Medien eine "Dringlichkeitsreise" dreier Minister an. Die Regierung wolle eine Erklärung darüber, "dass für die Sicherheit polnischer Staatsbürger garantiert wird", so Sobczak.

mxw/Reuters



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