Übergriffe auf Demonstranten und Beamte Nach eskalierter Demo in Leipzig – Polizei meldet mehrere Verletzte

Erst attackierten Linksradikale mutmaßlich die Polizei, dann wurden offenbar auch Beamte gewalttätig: Im Leipziger Süden gab es erneut einen heftigen Gewaltausbruch. Es gibt Verletzte, die Behörden ermitteln.
Polizeieinsatz in Connewitz: Gewalt auf allen Seiten

Polizeieinsatz in Connewitz: Gewalt auf allen Seiten

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Die Behörden in Leipzig haben nach einem aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatz mit der Aufarbeitung des Geschehens begonnen. Dabei stehen offenbar zunächst die Vergehen von Demonstrierenden im Mittelpunkt: Wegen zehn Straftaten werde ermittelt, sagte eine Polizeisprecherin – wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Einen Verdächtigen nahmen Polizisten demzufolge vorläufig fest. Zudem wurden rund 40 Verstöße gegen die sächsische Coronaschutzverordnung festgestellt, wie die Sprecherin sagte. Drei Polizisten seien verletzt worden. Zur Schwere der Verletzung machte sie keine Angaben.

Am Sonntagabend war eine polizeifeindliche Demonstration im linksalternativen Stadtteil Connewitz eskaliert. Nachdem die nur stationär zugelassene Kundgebung zunächst friedlich verlaufen war, wurden die Einsatzkräfte eigenen Angaben zufolge mit Pyrotechnik, Glasflaschen und Steinen beworfen.

DER SPIEGEL

Die Polizei war umgehend mit einem großen Aufgebot vor Ort, auch mit vier Wasserwerfern und einem Hubschrauber. Etliche Demo-Teilnehmer wurden eingekesselt, die Polizei sprach von einer »dynamischen Lage«. Die Einsatzkräfte stellte Identitäten von 114 Teilnehmern fest.

Hunderte Menschen demonstrierten zunächst friedlich

Vorwürfe gibt es indes auch gegen Beamte: Einige Polizisten sollen unverhältnismäßig brutal gegen einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung vorgegangen sein. In sozialen Medien verbreitete Videos zeigen etwa, wie Polizisten eine am Boden liegende Person schlagen und dann offenbar liegen lassen.

Gegen mehrere noch unbekannte Beamte wurden einer offiziellen Mitteilung zufolge  Ermittlungen eingeleitet. Ob es auch verletzte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung gab, ist bislang nicht bekannt.

Betroffen vom Fehlverhalten einiger Polizisten waren zudem offenbar auch Journalistinnen und Journalisten: Sie sollen in mehreren Fällen von Einsatzkräften an der Arbeit gehindert worden sein, in mindestens einem Fall soll Kameraausrüstung beschädigt worden sein. Auch wegen dieser Vorfälle ermittelt die Polizei nun gegen eigene Kolleginnen und Kollegen.

An der Demonstration unter dem Motto »Kampf den FaschistInnen in Uniform«, die offiziell unter dem Titel »Rechte AkteurInnen in Polizei, Geheimdiensten und Justiz aufdecken« angemeldet war, hatten laut Polizei bis zu 300 Menschen teilgenommen.

Das Datum für die Demo hat in linksradikalen Kreisen eine Bedeutung: Der 13.12. steht für die Buchstaben ACAB, die Abkürzung für »All cops are bastards«. Auch voriges Jahr hatte es an diesem Tag eine polizeifeindliche Demonstration in Leipzig-Connewitz gegeben.

Der linksalternative Stadtteil im Süden Leipzigs gilt als Hochburg der linken Szene und linksextremer Kräfte. Immer wieder kommt es dort zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Aktivisten sowie Straftätern. Der sächsische Verfassungsschutz bezeichnet Leipzig vor allem wegen solcher Vorfälle als »Brennpunkt linksextremistischer Gewalt«.

mxw/dpa
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