Silvesternacht in Leipzig Polizei zieht Aussage über angebliche Notoperation zurück

Die sächsischen Behörden ermitteln wegen versuchten Mordes an einem Polizisten. Der Mann sei am Neujahrstag notoperiert worden, hieß es bislang. Diese Darstellung haben die Ermittler nun korrigiert.
Polizeieinsatz in der Neujahrsnacht im Leipziger Süden: Was geschah in Connewitz?

Polizeieinsatz in der Neujahrsnacht im Leipziger Süden: Was geschah in Connewitz?

Foto: Sebastian Willnow/DPA

Die sächsische Polizei hat frühere Angaben über die Vorgänge in der Leipziger Silvesternacht korrigiert. Anders als in einer Polizeimeldung am Neujahrstag berichtet, musste ein verletzter Polizist demzufolge doch nicht notoperiert werden. Das sagte Polizeisprecher Andreas Loepki dem MDR .

In der Silvesternacht sei der Kenntnisstand gewesen, so Loepki, dass ein verletzter Beamter notoperiert worden sei. Eine lebensbedrohliche Verletzung habe aber nicht vorgelegen. Die Polizei müsse sich nun den "Schuh anziehen, dass es sicherlich besser gewesen wäre von einer operativen Maßnahme zu sprechen, statt von Not-OP", sagte Loepki.

Dem SPIEGEL sagte Loepki, der operative Eingriff sei "dringend erforderlich" gewesen, weil sonst "bleibende Schäden nicht auszuschließen gewesen wären". Der Begriff Not-OP sei "im weiteren Sinne nicht falsch". Es sei aber der Eindruck entstanden, nur durch die OP habe das Leben des Kollegen gerettet werden können. "Das stimmt nicht."

Die "taz" hatte am Donnerstagabend unter Berufung auf Krankenhauskreise berichtet, man habe sich in der Uniklinik "verwundert über die Polizeimeldung über eine 'Notoperation' geäußert". Es habe einen Eingriff an der Ohrmuschel des Beamten unter lokaler Betäubung gegeben. Die Polizei bestritt zunächst den Vorwurf, bezüglich der Verletzungen übertrieben zu haben.

Polizeisprecher Loepki bestätigte dem SPIEGEL, dass die Operation am Ohr des Kollegen erfolgte. Ein Sprecher der Uniklinik wollte sich mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht zu dem Fall äußern.

Dem verletzten Polizisten soll von Unbekannten der Helm vom Kopf gerissen worden sein. Dem 38-Jährigen geht es nach Angaben von Sachsens Innenminister Roland Wöller inzwischen besser, er soll am Freitag das Krankenhaus verlassen haben.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum ermittelt in dem Fall wegen versuchten Mordes. Die unbekannten Täter hätten so massiv auf Körper und Kopf eingewirkt, dass der Beamte bewusstlos geworden sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er habe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. In diesem Zustand sei der Mann auch ins Krankenhaus gekommen.

Der Tod des 38-Jährigen sei dabei billigend in Kauf genommen worden. Die Staatsanwaltschaft geht eigenen Angaben zufolge von niederen Beweggründen aus. Der Mann sei attackiert worden, weil er Polizist ist. Deswegen werde wegen Mordversuchs ermittelt, nicht wegen versuchten Totschlags. Details zu den Verletzungen und zu den Attacken wollte der Sprecher nicht nennen.

Am Freitagvormittag hatte das Amtsgericht Leipzig gegen drei Männer Haftbefehle erlassen, die in der Silvesternacht vorläufig festgenommen worden waren. Gegen einen weiteren Beschuldigten wurde ein sogenannter Hauptverhandlungshaftbefehl erlassen, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes mitteilte. Sein Fall soll in einem beschleunigten Verfahren verhandelt werden.

Den vier Beschuldigten im Alter zwischen 27 und 32 Jahren werden unter anderem tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung vorgeworfen, nicht jedoch versuchter Mord. Insgesamt ermitteln Staatsanwaltschaft und LKA derzeit gegen 13 Verdächtige.

mxw/sms/dpa
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