Fahrradgate bei der sächsischen Polizei Ermittlungen gegen eine Vielzahl von Beamten

Der Skandal um den mutmaßlich illegalen Weiterverkauf sichergestellter Räder weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zahlreiche Polizisten. Im Netz ist die Häme groß.
Polizeidirektion in Leipzig: Illegaler Handel mit sichergestellten Fahrrädern?

Polizeidirektion in Leipzig: Illegaler Handel mit sichergestellten Fahrrädern?

Foto: Jan Woitas/ dpa

Bei der sächsischen Polizei stehen deutlich mehr Beamte wegen des günstigen Verkaufs sichergestellter Räder unter Verdacht als bisher bekannt.

Nachdem die "Dresdner Morgenpost" von einer 43-jährigen Polizistin berichtet hatte, die innerhalb von vier Jahren mehr als tausend sichergestellte Fahrräder über einen zwischengeschalteten Verein weiterverkauft haben soll, ist nun von Ermittlungen gegen eine "Vielzahl" von Polizeibeamten die Rede.

Die Verdächtigen gehörten nicht nur zur Polizeidirektion Leipzig, teilte Behördensprecherin Vanessa Fink mit. Der Sender MDR spricht von rund einem Dutzend unter Verdacht stehenden Beamten . Zur Zahl der Fälle oder der Beschuldigten machte Fink keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft führe aber mehrere Ermittlungsverfahren wegen Korruptionstatbeständen, Strafvereitelung im Amt sowie wegen Diebstahls und Unterschlagung.

Dutzende Polizeibeamte sollen unter den Kunden sein

Der diese Woche bekannt gewordene Korruptionsverdacht bei der Polizei ist unter dem Schlagwort Fahrradgate bekannt. Beschlagnahmte und nicht abgeholte Räder sollen statt bei gemeinnützigen Organisationen bei Polizisten und ihren Familien gelandet sein - laut "Dresdner Morgenpost" über eine Beamtin, die bei der Ermittlungsgruppe "Zentrale Bearbeitung der Fahrradkriminalität" tätig war und Zugang zu den Asservaten hatte.

Das Landeskriminalamt (LKA) ist wegen des Anfangsverdachts einer Straftat "im Zusammenhang mit der Verwertung sichergestellter Fahrräder" eingeschaltet. Ob gegen die "Vielzahl" der Beamten auch als mutmaßliche Verkäufer oder möglicherweise als Käufer der Fahrräder ermittelt wird, ist nicht bekannt. Unter den Kunden der teils hochwertigen Räder, die dem Bericht zufolge für gerade mal 50 bis 100 Euro verscherbelt worden seien, sollen laut "Dresdner Morgenpost" jedenfalls Dutzende Polizeibeamte gewesen sein.

Twitter-Nutzer: "Mehr Fahrradpolizisten als gedacht"

Im Kurznachrichtendienst Twitter sorgte das Fahrradgate für Spott. Der Vorfall wurde unter anderem mit dem Hashtag #VerdächtigGuteBikes bedacht, verdächtig ähnlich zum Slogan der sächsischen Polizei "Verdächtig gute Jobs". Ein User schrieb: Die sächsische Polizei habe ja "mehr Fahrradpolizisten als gedacht".

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Der Linkenlandtagsabgeordnete Marco Böhme postete eine Kleine Anfrage, die er ans Innenministerium gestellt hat. In satirischem Ton will er unter anderem wissen, seit wann der Staatsregierung Kenntnisse vorliegen, "dass Teile der Polizeidirektion Leipzig so dringend auf nicht fossile Transportmittel umsteigen möchten".

apr/dpa
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