Großeinsatz in mehreren Bundesländern Hunderte Polizisten gehen gegen Vermittler von Scheinehen vor

In vier Bundesländern sind Beamte zu einem Großeinsatz gegen Banden ausgerückt, die Scheinehen vermittelt haben sollen. Die Polizisten durchsuchten fast 40 Gebäude - und nahmen Dutzende Verdächtige fest.


Mit etwa 550 Beamten geht die Bundespolizei in vier Bundesländern gegen bandenmäßige Scheinehen vor. Wie ein Behördensprecher sagte, wurden seit dem Morgen in Sachsen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Bayern 38 Gebäude durchsucht.

Insgesamt handele es sich um 60 Verdächtige, Schwerpunkt der Aktion ist demnach der Raum Leipzig. Bei den Ermittlungen geht es den Angaben zufolge um die Vermittlung und Organisation von Scheinehen mit europäischen Frauen. Zunächst hatte der MDR über den Einsatz berichtet.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft gehe es bei dem Einsatz unter anderem darum, Beweismittel zu sichern, teilte die Bundespolizei auf Twitter mit. Etwa 30 Menschen seien bisher festgenommen worden, hieß es.

Die hauptsächlich pakistanischen oder indischen Staatsangehörigen sollen nach Osteuropa und Zypern eingereist und dort mit Frauen verheiratet worden sein, um anschließend als Ehepartner in Deutschland eine EU-Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Dabei seien auch Arbeits- und Meldebescheinigungen gefälscht worden.

Auch Europol ist involviert

Zwischen 15.000 und 22.000 Euro sollen für die Vermittlungen geflossen sein, sagte ein Polizeisprecher. Demnach haben die Ermittler vor allem zwei Hauptbeschuldigte im Visier. Die Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leipzig laufen seit 2017. Erste Hinweise kamen aus dem Ausland, deswegen arbeitet die Bundespolizei in diesem Fall auch mit Europol zusammen.

Im November vergangenen Jahres hatten Bundespolizisten in Berlin und Brandenburg bei einem Großeinsatz gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vier Verdächtige festgenommen. Drei Männer und eine Frau standen im Verdacht, mindestens 200 Scheinehen arrangiert zu haben. An dem Einsatz waren mehr als 570 Beamte beteiligt.

Durch die vorgetäuschten Eheschließungen in dem damaligen Fall hätten die Verdächtigen Menschen aus Pakistan, Nepal und Albanien einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglichen wollen. Bis zu 16.000 Euro sollen dafür jeweils gezahlt worden sein.

mxw/dpa

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