Leipzig Nikolaikirchen-Pfarrer Christian Führer gestorben

Er war einer der wichtigsten Repräsentanten der friedlichen Revolution in der DDR von 1989: Der Leipziger Pfarrer Christian Führer ist tot.

Früherer Nikolaikirchen-Pfarrer Christian Führer: Im Alter von 71 Jahren gestorben
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Früherer Nikolaikirchen-Pfarrer Christian Führer: Im Alter von 71 Jahren gestorben


Leipzig - Der ehemalige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, ist tot. Er starb am Montag in der Leipziger Universitätsklinik an den Folgen einer schweren Krankheit, wie ein Sprecher der Stadt mitteilte.

Führer hatte 1982 die Friedensgebete und Gesprächskreise in der Leipziger Nikolaikirche begründet, die später in die Montagsdemonstrationen mündeten. Sein Name und der der Nikolaikirche sind untrennbar mit der friedlichen Revolution in der DDR im Jahr 1989 verbunden.

Laut "Leipziger Volkszeitung" litt Führer an einer schweren Lungenerkrankung. Er wurde 71 Jahre alt. Dem Bericht zufolge quälte ihn seit knapp zwei Jahren eine sogenannte Lungenfibrose, eine schleichende Erkrankung des Lungengewebes.

Führer war am Montagmorgen in die Notaufnahme des Universitätsklinikums Leipzig gebracht worden. "Leider konnte hier trotz aller ergriffenen Maßnahmen nur noch der Tod festgestellt werden", teilte die Klinik mit.

"Sein Mut war und ist beispielhaft"

Noch in der vergangenen Woche war Führer für seine Verdienste im Herbst 1989 ausgezeichnet worden. Er erhielt gemeinsam mit dem Pfarrer Christoph Wonneberger und dem Bürgerrechtler Uwe Schwabe sowie dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig den Deutschen Nationalpreis.

Der Preis würdige in diesem Jahr Menschen, deren revolutionärer Mut und deren Gewaltverzicht den Einsturz des DDR-Regimes und den Fall der Mauer bewirkt hätten, teilte die von Altbundeskanzler Helmut Schmidt gegründete Stiftung mit.

Unter den Gästen bei der Verleihung in Berlin waren der frühere Bundespräsident Horst Köhler und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Führer selbst konnte aufgrund seiner Erkrankung nicht anwesend sein. Stellvertretend für ihn nahm seine Tochter Katharina Köhler den Preis entgegen. Die Friedensgebete und die Leipziger Demonstrationen gehören zu den Schlüsselereignissen vor dem Mauerfall am 9. November 1989.

Führer war aufgrund seiner Erkrankung zuletzt nur noch wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten und lebte sehr zurückgezogen. Er war seit 1980 Pfarrer der Kirche St. Nikolai, der größten Kirche in der Stadt Leipzig. 2008 ging Führer in den Ruhestand. Damals verabschiedete er sich mit einem traditionellen Friedensgebet von seiner Gemeinde.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) würdigte Führer als Menschen, "der im festen Vertrauen auf seinen Glauben das Unmögliche nicht nur zu denken wagte". "Sein Mut war und ist beispielhaft", sagte Jung. Leipzig habe ihm "viel zu verdanken".

wit/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
patwet 30.06.2014
1. Möge Gott
ihn in seiner Unsterblichkeit aufnehmen und er auf Erden unvergessen sein.
yserman 30.06.2014
2. Ein Vorbild
Danke, Pfarrer Führer! Sie waren unendlich mutig, als es noch nicht viele Unterstützer gab. Wir werden Sie vermissen und nie vergessen. Sie waren ein Vorbild für uns alle. Mögen Sie in Frieden ruhen.
ChristianKrüger 30.06.2014
3.
Wieso war Gauck nicht bei der Preisverleihung. Weil Dieser Pfarrer im Gegensatz zu ihm ein WIRKLICHER DDR-Kritiker war und nicht nur mit dem Strom geschwommen ist?
garfield 30.06.2014
4.
Zitat von patwetihn in seiner Unsterblichkeit aufnehmen und er auf Erden unvergessen sein.
Ich schließe mich dem Wunsch an. Möge seine Familie Trost finden in der schweren Trauerzeit. Während andere erst nennenswert in Erscheinung traten, als die Gefahr vorüber war und dann große Karriere machten, waren mutige Leute wie Pfarrer Führer die wirklichen Vertreter von Freiheit, die damit durchaus ihren Kopf riskierten und von denen viele leider in Vergessenheit gerieten, weil sie sich nicht zur "rechten" Zeit in den "rechten" Kreisen bewegten und sie wohl auch keine derartigen Ambitionen hatten.
ganesh95 30.06.2014
5. Ein großer Mensch ist gegangen
Ein mutiger, wirklich aufrechter Mensch, der sich nicht verbiegen lassen hat. Er hat vielen Menschen Kraft gegeben, auch vor und nach 1989. Und er wollte nie im Mittelpunkt stehen. Sein zu früher Tod macht mich traurig. Möge der Mensch Christian Führer in Frieden ruhen.
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