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12. März 2015, 12:51 Uhr

Spektakulärer Fund

Leipziger Polizei schnappt Online-Drogenhändler

Er verkaufte alles außer Heroin: Die Leipziger Polizei hat einen Dealer verhaftet, der über das Internet in großem Stil mit Drogen gehandelt haben soll. Die Beamten beschlagnahmten Ware im Wert von mehr als vier Millionen Euro.

Leipzig - Es ist einer der größten Drogenfunde in Deutschland: Die Leipziger Ermittlungsbehörden haben offenbar einen 20-jährigen Dealer überführt, der über das Internetin großem Stil Drogen verkauft haben soll. Wie die Polizei mitteilte, habe der Beschuldigte über die Seite "Shiny Flakes" ("Glitzernde Flocken") Tausende Kunden in der ganzen Welt beliefert. Die Ermittlungen seien über ein Jahr geführt worden.

Insgesamt stellte die Polizei 360 Kilogramm illegale Substanzen sicher, darunter Kokain, LSD, Ecstasy und Haschisch. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft "alles außer Heroin". Gesamtwert: 4,1 Millionen Euro. Der 20-Jährige und ein 51-jähriger mutmaßlicher Komplize waren am 26. Februar bei einer Razzia festgenommen worden. Dabei fand die Polizei auch 48.000 Euro in bar. Am Mittwoch gab es bundesweit 38 weitere Hausdurchsuchungen, bei denen fünf Personen verhaftet wurden.

Eine Million Euro Umsatz in vier Monaten

Allein zwischen Oktober 2014 und Februar 2015 soll "Shiny Flakes" etwa eine Million Euro Umsatz gemacht haben. Die Gewinnmarge betrug bis zu 300 Prozent, wie ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE bestätigte. Die Kunden sollen stets mit der Web-Währung Bitcoin bezahlt haben.

"Shiny Flakes" hatte in Konsumentenkreisen einen besonderen Stellenwert: Während fast alle Versandhändler von illegalen Drogen nur über das sogenannte "Darknet" agierten, verkaufte "Shiny Flakes" auch über das Clearweb, also über das ganz normale und von jedermann zugängliche Internet. Hinzu kam eine vergleichsweise ansprechende Präsentation der angebotenen Drogen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Leipzig gingen die Beschuldigten äußerst konspirativ vor. Die Lieferungen gingen ohne Absenderangaben an offenbar manipulierte Anschriften. Auf die Schliche kamen die Ermittler dem 20-Jährigen auch deshalb, weil einige Sendungen nicht ausreichend frankiert waren. Ein Polizeisprecher betonte, dass "allein der Bestellvorgang" illegal sei.

Nach der Polizeiaktion hat sich der Inhalt von www.shiny-flakes.to grundlegend geändert. Wer die Seite ansteuert, sieht eine Anzeige der Polizei Sachsen. Der Slogan: "Verdächtig gute Jobs".

sms/dpa

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