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Libanon Kofferbomber legt Teilgeständnis ab

Dschihad Hamad hat libanesischen Angaben zufolge gestanden, eine der beiden Kofferbomben in einem deutschen Zug platziert zu haben. Er habe aber von dem explosiven Inhalt des Koffers nichts gewusst. Innenminister Fatfat vermutet dennoch eine Verbindung zur Qaida.

Konstanz/Karlsruhe/Beirut - Nach Angaben des libanesische Innenministers Ahmad Fatfat gibt es Hinweise auf eine Verbindung Hamads zur Extremistenorganisation al-Qaida. Der Innenminister sagte: "Bislang ist noch nichts eindeutig, aber in seinem Computer haben wir etwas gefunden, das auf die Qaida hindeutet." Der Beschuldigte bestreite zwar jeglichen Kontakt zu der Organisation. "Aber vielleicht hat er unter dem Dach von Qaida gearbeitet, ohne es zu wissen", fügte der Minister hinzu.

Hamad habe bei seiner Vernehmung zugegeben, eine Kofferbombe in einem deutschen Nahverkehrszug platziert zu haben, nachdem man ihm die Bilder der Überwachungskameras vom Kölner Hauptbahnhof gezeigt habe, sagte Fatfat heute Reuters TV.

Der Deutschen Presseagentur sagte der Minister jedoch: "Wir haben ein Geständnis von Hamad, dass er den Koffer in den Zug getragen hat. Aber er sagte, er habe nicht gewusst, was sich darin befinde."

Fatfat erklärte außerdem, die Vernehmung des Verdächtigen, der sich am Vortag im Nordlibanon der Polizei gestellt hatte, werde fortgesetzt. Der mutmaßliche Kofferbomber hatte sich gestern den libanesischen Behörden gestellt und sitzt nun in einem Spezialgefängnis in Beirut ein.

Unklar ist indes, ob bei der Vernehmung Hamads auch die in den Libanon entsandten deutschen Beamten von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) teilnehmen oder ihn gar selbst befragen konnten. Die Nachrichtenagentur AP meldete unter Berufung auf den Generalstaatsanwalt, dass ihnen die Vernehmung Hamads zunächst verwehrt worden sei.

Generalstaatsanwalt Said Mirsa habe dies mit libanesischem Recht begründet, nach dem die Vernehmung durch libanesische Behörden abgeschlossen sein muss, bevor ausländische Ermittler ihre Fragen stellen können. Die Deutsche Presseagentur hingegen zitiert Innenminister Fatfat mit den Worten: "Wir haben den deutschen Ermittlern erlaubt, (dem Verhör) beizuwohnen und Jihad Hamad auch zu verhören". Die Bundesanwaltschaft wollte sich hierzu auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

Festnahme in Konstanz

Auch in Deutschland läuft die Fahndung noch immer auf Hochtouren: In Konstanz trafen am Nachmittag BKA-Beamte am Haus M des Studentenwohnheims ein, um das Zimmer des festgenommenen Studenten zu durchsuchen, das seit Stunden von Kripobeamten gesichert wurde. Erst seit drei, vier Wochen habe der Mann in Konstanz gewohnt, erzählt ein ecuadorianischer Mitbewohner. Anfang 20 soll er sein. Davor habe er am Studienkolleg in Kiel studiert - dort hat auch der mutmaßliche Kofferbomber Youssef Mohamad al-Hajdib studiert, den die Polizei am Samstag festgenommen hat.

Schon am frühen Morgen war die Polizei mit einem Großaufgebot angerückt und hatte mehrere Appartements der zweistöckigen Wohnanlage untersucht. Beteiligt waren ein Sondereinsatzkommando und Suchhunde. Jetzt durchsuchen die BKA-Experten die Wohnung, in der der Verdächtige mit einem Brasilianer und einem Chinesen zusammen gewohnt haben soll.

Der in Konstanz Festgenommene soll in der Tat auch laut Bundesanwaltschaft zum Umfeld des am vergangenen Samstag in Kiel verhafteten Tatverdächtigen Youssef Mohamad E. H. gehören. Es werde nun ermittelt, ob und inwieweit der Mann in die Vorbereitung für die gescheiterten Anschläge auf die beiden Regionalzüge eingebunden gewesen sei. Ob er dem Haftrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt wird, werde sich erst morgen entscheiden.

Über die Identität des Mannes wurde bislang nichts mitgeteilt. Nach unbestätigten Aussagen von Mitbewohnern soll es sich um einen Libanesen mit Vornamen Zamir handeln. Nach ebenso unbestätigten Informationen aus dem Libanon soll der Mann syrischer Staatsbürger sein.

Libanesische Polizei verhört Angehörigen Hajdibs

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen noch zwei weitere Männer zumindest kurzfristig auf einem Parkplatz nahe der Wohnheim-Anlage in der Jacob-Burckhardt-Straße festgenommen worden sein. Das wollen Augenzeugen gesehen haben. Diese Angaben sind offiziell nicht bestätigt.

Im Zuge der Ermittlungen zu den fehlgeschlagenen Anschlägen auf zwei Regionalzüge ist heute auch im Libanon ein Angehöriger Hajdibs als Zeuge vernommen worden. Innenminister Ahmed Fatfat dementierte in Beirut einen ursprünglichen Bericht der Polizei, wonach der 24 Jahre alte Mann ebenfalls unter Terrorverdacht stehen soll. Zu dem Verhör im Libanon kam es nach Angaben eines Justizsprechers durch einen Hinweis von Dschihad Hamad, der sich gestern den Behörden in Tripoli gestellt hatte. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Bereits heute Morgen hatte der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, in der ARD angedeutet, dass es im Verlauf des Tages "neue Erkenntnisse" geben werde. Die Ermittler waren schon vor den Festnahmen davon ausgegangen, dass die beiden mutmaßlichen Haupttäter Helfer hatten. Die Polizei sei sicher, dass die beiden weitere Unterstützer hätten, sagte Ziercke dem Nachrichtensender n-tv. Es sei aber zunächst unklar, ob es sich um ein internationales Netzwerk oder um eine autonome Gruppe handele. Ziercke zeigte sich aber überzeugt, dass mit der Festnahme der beiden Männer "der Gefahr die Spitze genommen" worden sei. Man müsse aber wachsam bleiben.

dab/dpa/AFP/AP

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