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23. Juli 2015, 17:55 Uhr

Ex-Bischof von Limburg

Bistum soll Tebartz-van Elst schon im Frühjahr verklagt haben

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Der ehemalige Limburger Bischof Tebartz-van Elst soll Schadensersatz zahlen, weil er viel Geld für Prunkbauten ausgab. Die Klage liegt offenbar schon in Rom, es geht um Millionen.

Das Bistum Limburg soll bereits im Frühjahr Schadensersatzklage gegen den ehemaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eingereicht haben. Der Schriftsatz umfasse mehrere Hundert Seiten und sei im Vatikan bei der Römischen Rota, einer Art Bundesgerichtshof des Vatikans, hinterlegt worden, sagte ein Verfahrensbeteiligter SPIEGEL ONLINE. Die geforderte Summe betrage mehr als vier Millionen Euro. Das Gericht habe über die Zulassung noch nicht entschieden.

Ein Sprecher des Bistums dementierte die Darstellung. "Es gibt keine Klage", sagte er. Der provisorische Leiter des Bistums, der Apostolische Administrator Manfred Grothe, sei mehrfach zu Gesprächen über Schadensersatzansprüche nach Rom gereist. Grothe habe seine Einschätzung im Anschluss an ein Treffen im April schriftlich in den Vatikan geschickt. Wohin genau, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die Entscheidung darüber, "ob und in welcher Höhe und auf welchem Wege Forderungen gegenüber dem emeritierten Bischof erhoben werden, kann nur im Einvernehmen mit dem Vatikan erfolgen". Im Herbst werde Grothe deshalb erneut nach Rom fahren.

Luxuswünsche eines Bischofs

Im März 2014 hatte Tebartz-van Elst sein Amt in Limburg verloren, weil er in einen neuen Bischofssitz mehr als 31 Millionen Euro Kirchengelder gesteckt hatte. Die Kosten waren wegen Luxuswünschen des Bischofs außer Kontrolle geraten.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, das Bistum fordere 3,9 Millionen Euro Schadensersatz. Der Sprecher betonte, bei der Summe handele es sich um Abschreibungen auf das Bischofshaus. "Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass ein Schaden in eben dieser Höhe entstanden ist."

Die Römische Rota ist für innerkirchliche Verfahren gegen Bischöfe zuständig. Die Klage vorbringen müsse stets der Geschädigte, sagten mehrere Kirchenjuristen SPIEGEL ONLINE. Der Bistumssprecher hingegen behauptete: "Klagen gegen einen Bischof kann nur der Vatikan vornehmen."

Tebartz-van Elst arbeitet zurzeit als Legat im Vatikan. Er bezieht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE monatlich etwa 10.000 Euro, davon stammen etwa 7000 Euro aus seiner Limburger Pension. Sollte das Gericht in Rom ihn zu Schadensersatz verpflichten, "hätte die Kirche Druckmittel, das Geld auch zu bekommen", vermutet der Münchner Anwalt Christoph Lerg. Rein rechtlich kann die Kirche aber keine Zwangsvollstreckung veranlassen.

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