Ex-Bischof von Limburg Bistum soll Tebartz-van Elst schon im Frühjahr verklagt haben

Der ehemalige Limburger Bischof Tebartz-van Elst soll Schadensersatz zahlen, weil er viel Geld für Prunkbauten ausgab. Die Klage liegt offenbar schon in Rom, es geht um Millionen.

Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof mit Hang zum Luxus
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Franz-Peter Tebartz-van Elst: Bischof mit Hang zum Luxus

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Das Bistum Limburg soll bereits im Frühjahr Schadensersatzklage gegen den ehemaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eingereicht haben. Der Schriftsatz umfasse mehrere Hundert Seiten und sei im Vatikan bei der Römischen Rota, einer Art Bundesgerichtshof des Vatikans, hinterlegt worden, sagte ein Verfahrensbeteiligter SPIEGEL ONLINE. Die geforderte Summe betrage mehr als vier Millionen Euro. Das Gericht habe über die Zulassung noch nicht entschieden.

Ein Sprecher des Bistums dementierte die Darstellung. "Es gibt keine Klage", sagte er. Der provisorische Leiter des Bistums, der Apostolische Administrator Manfred Grothe, sei mehrfach zu Gesprächen über Schadensersatzansprüche nach Rom gereist. Grothe habe seine Einschätzung im Anschluss an ein Treffen im April schriftlich in den Vatikan geschickt. Wohin genau, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die Entscheidung darüber, "ob und in welcher Höhe und auf welchem Wege Forderungen gegenüber dem emeritierten Bischof erhoben werden, kann nur im Einvernehmen mit dem Vatikan erfolgen". Im Herbst werde Grothe deshalb erneut nach Rom fahren.

Luxuswünsche eines Bischofs

Im März 2014 hatte Tebartz-van Elst sein Amt in Limburg verloren, weil er in einen neuen Bischofssitz mehr als 31 Millionen Euro Kirchengelder gesteckt hatte. Die Kosten waren wegen Luxuswünschen des Bischofs außer Kontrolle geraten.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, das Bistum fordere 3,9 Millionen Euro Schadensersatz. Der Sprecher betonte, bei der Summe handele es sich um Abschreibungen auf das Bischofshaus. "Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass ein Schaden in eben dieser Höhe entstanden ist."

Die Römische Rota ist für innerkirchliche Verfahren gegen Bischöfe zuständig. Die Klage vorbringen müsse stets der Geschädigte, sagten mehrere Kirchenjuristen SPIEGEL ONLINE. Der Bistumssprecher hingegen behauptete: "Klagen gegen einen Bischof kann nur der Vatikan vornehmen."

Tebartz-van Elst arbeitet zurzeit als Legat im Vatikan. Er bezieht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE monatlich etwa 10.000 Euro, davon stammen etwa 7000 Euro aus seiner Limburger Pension. Sollte das Gericht in Rom ihn zu Schadensersatz verpflichten, "hätte die Kirche Druckmittel, das Geld auch zu bekommen", vermutet der Münchner Anwalt Christoph Lerg. Rein rechtlich kann die Kirche aber keine Zwangsvollstreckung veranlassen.

insgesamt 39 Beiträge
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kaiserudo 23.07.2015
1. Cool. Dann ist die Summe ja in 16 Jahren abgestottert
Vorausgesetzt er bezieht weiter sein Gehalt.
the lucky one 23.07.2015
2. Der arme Gläubige zahlt
Auch wenn der gute Tebartz verurteilt werden sollte, dann wird er den Schaden nicht aus seinem eigenem "Klingelbeutel" bezahlen müssen - wofür gibt es denn die Kollekte?
tailspin 23.07.2015
3. Muster-Erkennung
TvE hat sich einen Bart wachsen lassen zur Verminderung des Wiedererkennungswertes. Hat nichts genutzt. Ich habe den Kichensteuer-Hallodri auf dem Bild sofort wiedererkannt. Allerdings vielleicht nicht im Strassenanzug. Das mit dem Schadensersatz wegen Prachtbauten in der katholischen Amtskirche leuchtet mir trotdem nicht ganz ein. Prachtbauten und vergoldete Engel sind doch in dieser Institution die halbe Grundlage der Basis des Glauben-Fundamentes.
ayberger 23.07.2015
4. Moment mal ...,
Kirchensteuermittel sind dort nicht "verpraßt" worden,sondern althergebrachtes Kirchenvermögen ist in einen Um- und Neubau umgewandelt worden, ob das jemals aus Kirchensteuern stammte, ist sehr zu bezweifeln, er hatsichpersönlichnichtbereichert, alles ist Eigentum der Kirche, kein Katholik braucht also um seine persönliche und aktuelle Kirchensteuer zu bangen, im übrigen hat der Bischof typisch für seine InstitutionKirche gebaut, ehern, dauerhaft, schön und für die Ewigkeit - eben zur Ehre unseres ewigen Gottes, Kirche ist nicht zu verwechseln oder gleichzusetzen mit jenen Rendite-Wegwerfbauten mit begrenztem Verfallsdatum von Konsum- und Bankhaustempeln.
KingTut 23.07.2015
5. Fragen und Feststellungen
Nach Lektüre des Artikels gibt es für mich folgende Fragen bzw. Feststellungen: 1. Ein Sprecher des Bistums dementierte, dass gegen Herrn TvE geklagt wird. Kann Spiegel Online seine gegensätzlichen Behauptungen belegen? 2. Abgesehen von Punkt 1: Wieso kann jemand auf Schadenersatz verklagt werden, ohne dass dieser einen Schaden angerichtet oder sich persönlich bereichert hat? Gewiss ist der Bischofssitz ein Prunkbau, aber die Werte sind ja noch da und der Bischof kann sie nicht mal mehr genießen, weil er strafversetzt wurde. Andere werden jetzt die Nutznießer sein. Oder habe ich hier einen Knick in der Logik? 3. Zum letzten Absatz: ich bezweifle, dass man aufgrund eines Gerichtsurteils Druck auf TvE ausüben könnte, wenn es im letzten Satz heißt, "Rein rechtlich kann die Kirche aber keine Zwangsvollstreckung veranlassen". Wieso eigentlich?
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