News-Briefing Das ist über die mutmaßliche Lastwagen-Attacke in Limburg bekannt

In Limburg hat ein Mann einen Lastwagen in seine Gewalt gebracht und damit mehrere Autos gerammt. Zufällig anwesende Polizisten nahmen den Verdächtigen fest. In seiner Wohnung stellten Ermittler Datenträger sicher.

Thorsten Wagner/ DPA

News-Briefing

Was ist passiert?

Ein Mann hat am späten Montagnachmittag mit einem Lastwagen, den er zuvor in seine Gewalt gebracht hatte, in der hessischen Stadt Limburg mehrere Autos gerammt. Dabei wurden insgesamt neun Personen verletzt, darunter der Tatverdächtige. Bei ihm handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um den 32-jährigen Syrer Omar Al I. Zufällig anwesende Anwärter der Bundespolizei nahmen den Mann fest, er wird noch heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der Verdächtige soll bei der Festnahme "Allah" gerufen und sich heftig gewehrt haben.

Was bedeutet das?

Das Motiv ist unklar. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, man ermittele in alle Richtungen. Derzeit werden dem Verdächtigen versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wollte am Dienstagmorgen ausdrücklich nicht von einem terroristischen Hintergrund des Vorfalls sprechen, wie es verschiedene Medien bereits gemeldet hatten.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Nach SPIEGEL-Informationen ist Omar Al I. den Behörden bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogenbesitzes und Ladendiebstahls aufgefallen - nicht aber als Extremist.
  • Die Polizei ermittelte 2018 nach einer Schlägerei mit Familienangehörigen wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 32-Jährigen, zudem sollen bei einer Polizeikontrolle einmal 2,9 Gramm Haschisch bei ihm gefunden worden sein. Staatsschutzrechtlich ist er bislang nicht aufgefallen.
  • Die Wohnung des Verdächtigen in Langen wurde bereits durchsucht, dabei stellten die Polizisten Mobiltelefone und USB-Sticks sicher. Islamistisches Propagandamaterial, Waffen oder Sprengstoff wurden bislang nicht gefunden. Der Tatverdächtige habe nach derzeitigen Erkenntnissen keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Auch die Wohnung eines Cousins des Verdächtigen wurde durchsucht.
  • Der 32-Jährige reiste Ende 2015 nach Deutschland ein. Nach SPIEGEL-Informationen hatte er im September 2016 seine Asyl-Anhörung beim BAMF und wurde im Oktober 2016 als subsidiär Schutzberechtigter anerkannt. Sein Aufenthalt soll im Oktober 2017 um zwei Jahre verlängert worden sein und lief am 1. Oktober 2019 aus. Eine weitere Verlängerung wäre wohl möglich gewesen.

Welche Reaktionen gibt es?

  • Horst Seehofer (CSU) lobte den Einsatz der jungen Auszubildenden der Bundespolizei, die zufällig vor Ort waren und den Verdächtigen festnahmen. In einem Schreiben des Innenministers heißt es: "Für dieses entschlossene und umsichtige Eingreifen danke ich Ihnen ausdrücklich." Die schnelle Festnahme habe es ermöglicht, dass die Sicherheitsbehörden jetzt zügig die Hintergrund der Tat aufklären könnten.
  • Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn, zeigte sich erschüttert. "Man spürt eine Verunsicherung in der Bevölkerung", sagte der SPD-Politiker. "Ich bin geschockt und in meinen Gedanken bei den Verletzten und deren Familien." Was den möglichen Hintergrund angehe, sei es zu früh, etwas zu sagen. "Allgemein gesagt: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Gegen Einzeltäter ist niemand gefeit", so Hahn.

Anmerkung: Wir haben die Zahl der Verletzten inklusive des Tatverdächtigen auf neun korrigiert.

muk/jdl/rol/wow/srö/mxw/dpa



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