Tödlicher Unfall Geisterfahrer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Auf der Flucht vor der Polizei geriet ein Freigänger als Geisterfahrer in den Gegenverkehr - eine junge Frau starb. Das Landgericht Limburg wertet die Tat als Mord. Es sieht aber auch eine Mitschuld bei Justiz und Polizei.

Bundesstraße 49 bei Limburg (Archiv): Tödlicher Geisterfahrer-Unfall
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Bundesstraße 49 bei Limburg (Archiv): Tödlicher Geisterfahrer-Unfall


Das Landgericht Limburg hat einen 45-Jährigen wegen Mordes verurteilt. Der Mann hatte bei seiner Flucht vor einer Polizeikontrolle in Hessen als Geisterfahrer einen tödlichen Unfall verursacht. Der Richter wertete die Tat als Mord, der damalige Freigänger erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe.

In seiner Urteilsbegründung übte der Richter auch Kritik an der Justizvollzugsanstalt im rheinland-pfälzischen Diez. Dem Häftling hätte kein offener Vollzug gewährt werden dürfen. Der Staatsanwalt kündigte Ermittlungen gegen das Gefängnis an.

Die Anklage hatte in ihren Plädoyers beantragt, die besondere Schwere der Schuld festzustellen, was eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen hätte. Dies wies der Richter wegen einer möglichen staatlichen Mitverantwortung zurück.

Auch die Verfolgungsfahrt der Polizeibeamten sei unverhältnismäßig gewesen, sagte er. Die Aussage des Angeklagten, er habe die ganze Zeit über Blaulicht hinter sich gesehen, sei von Zeugen gestützt worden. Die davon abweichenden Angaben eines Autobahnpolizisten wertete die Kammer als vorsätzliche Falschaussage.

Risiko einer Geisterfahrt in Kauf genommen

Der Freigänger war mit gestohlenen Kennzeichen an seinem Auto und ohne Führerschein unterwegs, als ihn eine Streife stoppen wollte. Daraufhin wendete der Mann und bog in falscher Richtung auf die Bundesstraße 49 bei Limburg ab. Dort raste er gegen den Kleinwagen einer 21-Jährigen. Die Frau starb im Krankenhaus.

Der Angeklagte aus dem Raum Neuwied in Rheinland-Pfalz war bereits wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt worden und verbüßte deswegen eine Haftstrafe. Er habe das Risiko einer Geisterfahrt in Kauf genommen, um die Vorzüge des offenen Vollzugs nicht zu verlieren, sagte der Richter. Er habe sein Leben riskiert, aber auch vorsätzlich das der anderen Verkehrsteilnehmer.

Das Argument des Angeklagten, er sei aus großer Angst heraus in den Gegenverkehr geraten, ließ der Richter nicht gelten: "Wer eine solche Flucht unternimmt, zeigt Nervenstärke und keine Panik." Die Staatsanwaltschaft hatte während der Ermittlungen zudem mitgeteilt: "Er soll vorher einer Zeugin gesagt haben, dass er sich nicht mehr von der Polizei stellen lasse, egal, 'ob ich dabei ums Leben komme'."

wit/dpa



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