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08. Oktober 2019, 12:19 Uhr

Lastervorfall in Hessen

Ermittler stellen in Wohnung des Verdächtigen Handys und USB-Sticks sicher

In Hessen steuerte ein Mann einen gestohlenen Lkw in mehrere Autos - es gab acht Verletzte. Nun sind Details zu dem mutmaßlichen Täter bekannt geworden - Ermittler haben zwei Wohnungen durchsucht.

Der Mann, der in Hessen einen Lastwagen gestohlen und damit mehrere Autos gerammt haben soll, ist nach SPIEGEL-Informationen 32 Jahre alt und kommt aus Syrien. Er ist den Behörden wegen gefährlicher Körperverletzung, Drogenbesitzes und Ladendiebstahls aufgefallen - nicht aber als Extremist.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand stahl der Verdächtige am Montagabend einen Lastwagen, fuhr an einer Kreuzung in mehrere Fahrzeuge und schob sie ineinander. Acht Menschen wurden dabei laut Polizei verletzt.

Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wollte am Dienstagmorgen ausdrücklich noch nicht von einem terroristischen Hintergrund des Vorfalls sprechen. Die Ermittlungen dauerten an, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle, dem SPIEGEL. Dem Verdächtigen würden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen.

Ohne gültigen Aufenthaltstitel

Der Mann kam nach SPIEGEL-Informationen im November 2015 nach Deutschland und lebt in Langen. Seit 1. Oktober 2019 hat er keinen gültigen Aufenthaltstitel mehr. Er soll bei der Festnahme "Allah" gerufen und sich heftig gewehrt haben.

2018 ermittelte die Polizei nach SPIEGEL-Informationen wegen einer Schlägerei mit Familienangehörigen gegen ihn. Außerdem wurde der 32-Jährige bei einer Kontrolle mit 2,9 Gramm Haschisch erwischt.

Kein Propagandamaterial

Das hessische LKA hat bereits die Wohnung des Mannes durchsucht. Laut Generalstaatsanwaltschaft stellten die Ermittler Mobiltelefone und USB-Sticks sicher, die Datenträger werden nun ausgewertet. Islamistisches Propagandamaterial, Waffen oder Sprengstoff seien bislang nicht gefunden worden. Auch die Wohnung seines Cousins wurde nach SPIEGEL-Informationen bereits durchsucht.

Zufällig befand sich am Tatort eine Gruppe Auszubildende der Bundespolizei. Ein Teil der Gruppe absolvierte ein Lauftraining, andere saßen in einem Pkw, der offenbar ebenfalls von dem Aufprall betroffen war. Die Polizeianwärter dachten zuerst, es handle sich um einen Unfall, und leisteten Erste Hilfe. Die Jogger nahmen den Verdächtigen schließlich fest.

Die Spurensicherung ist inzwischen abgeschlossen, der Laster wurde abgeschleppt. Er werde in einem Polizeigebäude untersucht, sagte ein Sprecher. Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn (SPD), sagte: "Ich bin geschockt und in meinen Gedanken bei den verletzten Unfallopfern und deren Familien."

gud/jdl/wow/rol/srö/jpz/dpa

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