London Angriff auf lesbisches Paar - Verdächtige auf Kaution freigelassen

In einem Londoner Bus wurde ein lesbisches Paar beleidigt und geschlagen. Die Polizei hat fünf Verdächtige ermittelt, die gegen Kaution wieder frei sind. Eine der beiden Frauen sagt: "Ich war und bin immer noch wütend."

Melania Geymonat (r.) und ihre Freundin Chris
REUTERS

Melania Geymonat (r.) und ihre Freundin Chris


Zwei Frauen wurden nach einem Date in London in einem Nachtbus von mehreren Jugendlichen und jungen Männern beleidigt, bedrängt und geschlagen: Der Fall hat nicht nur in Großbritannien Empörung ausgelöst.

Die Polizei hat die Verdächtigen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren inzwischen auf Kaution freigelassen. Für Anfang Juli gebe es eine Vorladung der mutmaßlichen Täter, teilte die Polizei mit. Nach weiteren Verdächtigen werde derzeit nicht gesucht. Ermittler hatten am Freitag vier Personen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren in Gewahrsam genommen. Am Samstag wurde zudem ein 16-Jähriger festgenommen.

Ihnen allen werden schwere Körperverletzung und Raub vorgeworfen. Den Frauen waren nach dem Angriff ein Handy und eine Tasche gestohlen worden.

Der Angriff hatte sich am Donnerstag vergangener Woche ereignet. Die 28-jährige Melania Geymonat und ihre Freundin Chris waren von Jugendlichen attackiert und ausgeraubt worden, wie Geymonat auf Facebook schrieb. Die Jugendlichen hätten sie umstellt, vulgär beleidigt und aufgefordert, sich zu küssen, sagte Geymonat der BBC.

Auf ihre Weigerung hin seien sie erst mit Münzen beworfen worden, anschließend hätten die Verdächtigen auf sie eingeschlagen, sagte die aus Uruguay stammende Geymonat. Ihre Freundin Chris kommt nach Berichten britischer Zeitungen aus den USA.

Nach Polizeiangaben wurden die beiden Frauen mehrmals heftig geschlagen, bevor die mutmaßlichen Täter geflohen seien. Die beiden Opfer mussten wegen Gesichtsverletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei sprach von einer "widerwärtigen Attacke". Bilder aus Videoüberwachungskameras würden ausgewertet.

Video: Übergriff in Londoner Bus

Geymonat sagte der BBC, sie habe in der Vergangenheit viel verbale Gewalt erlebt. Aber sie sei wegen ihrer Sexualität noch nie körperlich angegriffen worden. Ihre Freundin sagte, sie habe auch nach dem Angriff keine Angst, in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten auszutauschen. "Wenn überhaupt, sollte man es mehr tun." Chris sagte zudem: "Ich war und bin immer noch wütend. Es war furchteinflößend, aber dies ist eine neue Situation."

Die Zahl gemeldeter homophober Übergriffe in London ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Lag die Zahl 2014 noch bei 1488 Fällen, wurden 2018 bereits 2308 solcher Gewalttaten gemeldet - die meisten davon im Zentrum der Stadt, wo die meisten Touristen unterwegs sind.

Die britische Polizei weist darauf hin, dass dieser Anstieg der Anzeigen, zumindest teilweise, auch auf ein stärkeres Selbstbewusstsein der schwul-lesbischen Gemeinschaft zurückzuführen sein könnte - weil sich mehr Menschen trauen, gewalttätige Übergriffe zu melden. Unabhängig von dieser Einschätzung muss man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer nicht gemeldeter Vorfälle weit höher liegt.

ulz/AFP



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