Großbritannien Londoner Bezirk soll 700 Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht haben

In mehreren Kinderheimen des Londoner Bezirks Lambeth soll es in den Sechzigerjahren zu Gewalt und sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die Behörden wussten offenbar davon, taten aber nichts.
Rathaus des Londoner Bezirks Lambeth

Rathaus des Londoner Bezirks Lambeth

Foto: ANDY RAIN / EPA

Hunderte mutmaßliche Fälle und nur eine Verurteilung: Mit einer »Kultur der Vertuschung« sollen die Behörden im Londoner Bezirk Lambeth über Jahrzehnte den Missbrauch von mehr als 700 Kindern in kommunalen Einrichtungen ermöglicht haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Dienstag veröffentlichter Untersuchungsbericht, wie auch der »Guardian« berichtet.  

Darin heißt es, dass allein mehr als 500 ehemalige Bewohner eines Kinderheimes 177 Betreuerinnen und Betreuern sowie anderen Personen Missbrauch vorwerfen. Trotzdem sei nur ein ehemaliger Angestellter wegen sexuellen Missbrauchs strafrechtlich belangt worden.

Der Bezirksrat von Lambeth, der für die Heime verantwortlich war, habe zugelassen, dass Gewalt und sexuelle Übergriffe in den Kindereinrichtungen »gedeihen« konnten, und habe es versäumt, gegen bekannte Täter vorzugehen oder die »brutale, harte und strafende Kultur« zu bekämpfen, so steht es im Bericht. Rassismus sei zudem allgegenwärtig gewesen.

Die amtierende Bezirksratsvorsitzende Claire Holland entschuldigte sich im Namen des Gremiums bei den Opfern. »Der Rat war für ihre Pflege und ihren Schutz verantwortlich, hat aber versagt – das hatte schwerwiegende Folgen«, sagte Holland.

Der Bericht legt der Polizei nahe, mindestens einen Fall von 1977 neu aufzurollen. Damals wurde ein Kind tot im Badezimmer gefunden. Der Bezirksrat verschwieg den Behörden, dass es zuvor einem Betreuer sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte.

zob/dpa
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