Insolvenzverfahren in London Boris Becker beruft sich nicht mehr auf Immunität

Neue Runde im Streit über die Insolvenz von Boris Becker: Der frühere Tennisstar will vor Gericht nicht mehr darauf beharren, als Diplomat geschützt zu sein.

Boris Becker
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Der frühere Tennisstar Boris Becker gibt in seinem Insolvenzverfahren in Großbritannien nicht länger an, wegen eines Diplomatenstatus nicht verfolgt werden zu dürfen. Diese Strategie ließen seine Anwälte in London fallen, Becker selbst war nicht zu der Verhandlung erschienen. Das Gericht verlängerte das Insolvenzverfahren der Nachrichtenagentur PA zufolge auf unbestimmte Zeit.

Becker hatte zuvor darauf gesetzt, dass das Verfahren wie in England üblich, nach einem Jahr endet. Der Insolvenzverwalter hatte jedoch Ende Mai eine Verlängerung beantragt, woraufhin Becker die angebliche Immunität ins Spiel brachte.

Der 51-Jährige behauptete, nicht mehr von seinen Gläubigern belangt werden zu können. Schließlich sei er Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik. Es gab allerdings Zweifel daran, ob diese Argumentation halten würde. Einige Regierungsvertreter aus der Zentralafrikanischen Republik hatten zudem nichts von Beckers angeblichem Diplomatenstatus wissen wollen.

Beckers Berliner Anwalt Christian-Oliver Moser teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, es sei schon länger bekannt, dass sich der frühere Wimbledon-Sieger nicht mehr auf den Diplomatenstatus berufe. Es habe um diesen Punkt einfach zu viel Ärger gegeben. Außerdem sei Becker "niemals ordnungsgemäß zu dem Gerichtstermin geladen worden".

Die britischen Insolvenzverwalter warfen Becker vor, nicht ausreichend mit ihnen zusammengearbeitet zu haben. So habe er beispielsweise nur einen Teil seiner Trophäen aus seiner schillernden Tenniskarriere ausgehändigt.

Becker zur Scheidung: "Kann nur das bezahlen, was ich habe"

Die Versteigerung der Trophäen konnte der Tennisstar in letzter Minute zunächst stoppen. "Ich freue mich sehr, dass die Auktion abgesagt wurde", teilte Becker im Juni 2018 mit. Bitterlich hatte er sich über das "merkwürdige Verhalten" der Insolvenzverwalter beklagt. "Vielleicht würden sie auch gern meine Unterwäsche verkaufen."

Becker bestreitet, Pleite zu sein. Er argumentiert, er habe seine Schuld bereits beglichen und sprach mit Blick auf den Gerichtsprozess von einer "Farce". Er sieht sich als Opfer eines Kredithais, der Wucherzinsen von ihm verlangt - das sei "weder rechtskräftig noch rechtswirksam". Er kündigte an: "Ich werde diejenigen, die diesen Prozess erzwungen haben, verfolgen und öffentlich zur Rechenschaft ziehen."

Privat läuft es für Boris Becker ebenfalls nicht rund. Noch vor Weihnachten will ein Familiengericht in London über die Scheidung von seiner Ehefrau Lilly entscheiden. "Der Hoffnungsschimmer ist, dass wir uns als Eltern fair unserem Sohn gegenüber verhalten", sagte der Ex-Tennisstar dem Sender Sat.1. Boris und Lilly Becker haben mit Amadeus einen gemeinsamen achtjährigen Sohn.

Trotz der finanziellen Probleme geht Becker davon aus, dass Lilly bei der Scheidung "gut wegkommen" werde. "Aber es muss natürlich alles fair zugehen. Und ich kann nur das bezahlen, was ich habe." Auf die Frage, wie viel das sei, sagte die Tennis-Ikone: "Ein paar Mark oder Euro oder Pfund habe ich schon, aber vielleicht nicht mehr ganz so viel wie vor zehn Jahren."

apr/dpa/AP



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