London Student wegen angeblicher Scherzbombe zu 15 Jahren Haft verurteilt

Er legte eine funktionstüchtige Bombe in der U-Bahn ab - und rannte weg. Dafür muss ein junger Brite nun lange ins Gefängnis. Er selbst behauptet, sich nur einen Scherz erlaubt zu haben.


Ein britischer Student ist wegen eines versuchten Bombenanschlags auf die Londoner U-Bahn zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der 20-Jährige Damon S. hatte den mit Splitterteilen gefüllten Sprengsatz im Oktober in einem Zug deponiert, der auf den Weg ins Finanzviertel Canary Wharf war. Die selbst gebaute Bombe explodierte jedoch nicht, wurde von Fahrgästen entdeckt und von der Polizei entschärft.

Der Täter behauptete, es habe sich um einen Scherz mit einer Rauchbombe gehandelt. Er habe zudem keinerlei islamistische Motive, sagte sein Anwalt - auch wenn er sich einen Interneteintrag des Terrornetzwerkes al-Qaida über den Bau von Bomben angeschaut habe. Den Sprengsatz hatte S. zu Hause aus einem Wecker gebaut, den er für zwei Pfund in einem Supermarkt erworben hatte.

Sein Anwalt hatte auch auf eine psychiatrische Untersuchung verwiesen, wonach sein Mandant unter einer Form von Autismus leidet. Die Richter zeigten sich davon nicht überzeugt. Für S. gilt nach Verbüßung seiner Haftstrafe in einem Jugendgefängnis zusätzlich eine fünfjährige Bewährungszeit.

Bombenbaupläne und ein IS-Foto

Die Geschworenen hatten S. bereits Anfang des Monats wegen Besitzes einer explosiven Substanz für schuldig befunden. Das Strafmaß wurde nun verkündet. Den Ermittlungen zufolge wurde bei dem 20-Jährigen eine Anleitung zum Bombenbau des Terrornetzwerks al-Qaida gefunden. Auf seinem Laptop fanden Polizisten zudem ein Foto, auf dem S. mit Waffen posiert und das den Titel "2016 - Kämpfer des Islamischen Staat" trägt.

Das Urteil fiel inmitten einer äußerst angespannten Sicherheitslage in Großbritannien. Am Montag hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester 22 Menschen getötet und 70 weitere verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Der Chef der Antiterroreinheit der Londoner Polizei, Dean Haydon, sagte, zwischen den beiden Fällen gebe es zwar keinen Zusammenhang. Die Explosion von Manchester habe aber gezeigt, welch verheerende Auswirkungen eine Detonation der Bombe des 20-Jährigen hätte haben können.

mxw/AFP/dpa



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