Prozess gegen Kardinal Vatikan verkauft Skandal-Immobilie mit mehr als 100 Millionen Euro Verlust

Der Vatikan hatte mit dem Kauf einer Luxusimmobilie in London offenbar Geld verdienen wollen – doch das ist nach hinten losgegangen. Nun wird einem Kardinal wegen Veruntreuung und Machtmissbrauchs der Prozess gemacht.
Giovanni Angelo Becciu (2020): Veruntreuung, Machtmissbrauch und Zeugenbeeinflussung werden ihm vorgeworfen

Giovanni Angelo Becciu (2020): Veruntreuung, Machtmissbrauch und Zeugenbeeinflussung werden ihm vorgeworfen

Foto: Gregorio Borgia / dpa

Der Vatikan ist seine ominöse Luxusimmobilie in London mit großem Verlust losgeworden.

Der Kirchenstaat teilt mit, dass der Verkauf des Gebäudes im Stadtteil Chelsea für umgerechnet rund 215 Millionen Euro abgeschlossen sei. Käufer der Immobilie ist der US-Finanzinvestor Bain Capital.

Der Vatikan soll die Immobilie zwischen 2014 und 2018 für rund 350 Millionen Euro erworben haben – in der Hoffnung, durch eine Wertsteigerung Geld zu verdienen. Wegen des Deals wurde unter anderem erstmals ein Kardinal wegen Amtsmissbrauch und Veruntreuung angeklagt.

Vatikan: Keine Spenden verwendet

Die deutlich mehr als 100 Millionen Euro Verlust würden durch finanzielle Reserven des Staatssekretariats ausgeglichen, wie der Vatikan weiter berichtet. Dafür würden keine Gelder des Peterspfennigs verwendet – also jene Spenden der Gläubigen weltweit, die für den Vatikan bestimmt sind.

Ein Vorwurf in dem aktuell laufenden Verfahren gegen Kardinal Giovanni Angelo Becciu ist, dass für den Kauf des Gebäudes Gelder des Peterspfennigs verwendet worden seien. Becciu streitet die Vorwürfe ab. Er musste im vergangenen September von seinem Posten im Vatikan zurücktreten. Papst Franziskus hatte den Vorsitzenden der Abteilung für Seligsprechungen wegen des Verdachts entlassen, Geld aus Wohltätigkeitsfonds für Verwandte abgezweigt zu haben. Becciu wird in diesem Zusammenhang Veruntreuung, Machtmissbrauch und Zeugenbeeinflussung vorgeworfen.

Papst entzog Staatssekretariat die Finanzhoheit

Zu den weiteren Angeklagten zählten der ehemalige Leiter der vatikanischen Finanzinformationsbehörde (FIA), René Brülhart. Ihm und dem Investmentfondsmanager Enrico Crasso wird ebenfalls Machtmissbrauch vorgeworfen. Auch der ehemalige FIA-Direktor Tommaso Di Ruzza und die italienische Beraterin Cecilia Marogna müssen sich dem Gericht im Vatikan stellen.

Als Konsequenz aus dem Immobilienskandal hatte Papst Franziskus im vergangenen November dem Staatssekretariat des Vatikans die Finanzhoheit entzogen. Für die Verwaltung von Vermögen und Immobilien der Spitzenbehörde ist nun die vatikanische Güterverwaltung Apsa zuständig.

ptz/dpa
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