Londoner Terrorkomplott Al-Qaida soll Schlüsselfigur ausgebildet haben

Scotland Yard fahndet noch immer nach möglichen weiteren Hintermännern der vereitelten Flugzeugattacken. Einer der Hauptverdächtigen, so heißt es jetzt in einem Zeitungsbericht, wurde von der Qaida ausgebildet. Einen anderen Festgenommenen setzte die Polizei jetzt wieder auf freien Fuß.


London - Raschid Rauf soll einem "Times"-Bericht zufolge 2002 von der Terrororganisation in Pakistan ausgebildet worden sein. Die Festnahme des Mannes mit dem Namen Rashid Rauf in Pakistan habe nach geheimdienstlichen Hinweisen von dort die Verhaftung von mehr als 20 Terrorverdächtigen in London und Birmingham ausgelöst, heißt es heute in britischen Berichten.

Polizist vor einem Londoner Wohnhaus: Ermittlungen laufen noch immer auf Hochtouren
AFP

Polizist vor einem Londoner Wohnhaus: Ermittlungen laufen noch immer auf Hochtouren

Scotland Yard bestätigte die angebliche Qaida-Verbindung zunächst nicht. Informierte Kreise im Londoner Außenministerium bezeichneten Rashid Rauf als "Schlüsselfigur", berichtete die "Times". Einer der jetzt in Birmingham festgenommen Muslime sei Raufs Bruder Tayib.

Nach der Festnahme Raufs seien Terroristen in Großbritannien gewarnt gewesen. Sie hätten daher ihre Pläne, Flugzeuge mit Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen, möglicherweise vorzeitig umsetzen wollen. Deshalb habe sich die britische Polizei nach Hinweisen aus Pakistan am Donnerstag zur Festnahme aller Verdächtigen entschieden.

Derweil laufe die Fahndung nach eventuellen Mittätern und weiteren Hintermännern weiter auf Hochtouren, berichtete der Sender BBC. Mit weiteren Festnahmen in Großbritannien sowie in Pakistan sei zu rechnen.

Einen der Verdächtigen ließ die Person gestern wieder frei. Die Person war am Tag zuvor mit 23 weiteren Menschen festgenommen worden. Auflagen für die Freilassung habe es keine gegeben.

Die Festgenommenen stehen im Verdacht, mit Flüssigsprengstoff Anschläge auf Passagiermaschinen mit Ziel USA verübt haben zu wollen. Wäre den Attentätern nicht das Handwerk gelegt worden, hätten sie nach Ansicht der US-Regierung eine Katastrophe vom Ausmaß des 11. Septembers 2001 ausgelöst.

Muslime kritisieren Blair-Regierung

In einem offenen Brief warfen führende Vertreter der Muslime in Großbritannien der Regierung vor, sie liefere mit ihrer Außenpolitik "Extremisten Munition". Die britische Beteiligung am Irak-Krieg und die Tatsache, dass London keinen sofortigen Waffenstillstand im Libanon erreichen konnte, habe das Land zu einem Ziel von Extremisten gemacht.

Das Schreiben wurde heute in mehreren britischen Zeitungen veröffentlicht und ist von drei muslimischen Abgeordneten sowie 38 muslimischen Gruppen unterschrieben, darunter dem einflussreichen Muslim Council of Britain. Die Unterzeichner verurteilten Angriffe gegen Zivilpersonen und forderten bessere Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus. Zugleich warfen sie der Regierung von Premierminister Tony Blair vor, sich nicht ausreichend für den Schutz im Ausland lebender Muslime einzusetzen.

dab/dpa/reuters/AP



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