Londoner Terrorpläne Mutmaßliche Terroristen produzierten Märtyrer-Videos

Auf mindestens sechs Laptops der Terrorverdächtigen von London soll die Polizei so genannte Märtyrer-Videos gefunden haben, berichtet die BBC. Das käme einem Geständnis ziemlich nahe: Solche Videos hinterlassen Selbstmordattentäter, um ihre Motive zu erklären.


London - Eine bisher unbekannte Zahl so genannter Märtyrer-Videos wurde auf sechs Laptops gefunden, die bei Hausdurchsuchungen nach den vereitelten Terroranschlägen vom 10. August sichergestellt wurden, berichtet die BBC. Solche Videos hinterlassen Selbstmordattentäter, um ihre Motive klarzustellen und werden von Terrororganisationen für ihre Propaganda eingesetzt.

Vereitelter Anschlag: Der Terroralarm hält Großbritannien seit dem 10. August in Atem
REUTERS

Vereitelter Anschlag: Der Terroralarm hält Großbritannien seit dem 10. August in Atem

Damit würden sich die Personen auf den Videos selbst belasten. Ermittelt wird zurzeit gegen 23 Verdächtige. Die Leitung der Untersuchung der vereitelten Terroranschläge liegt in Großbritannien beim Scotland Yard, unter Beteiligung des Inlands-Geheimdienstes MI5. Informationen geben beide zurzeit nicht heraus. So gut wie jede Polizeibehörde in Großbritannien soll in die Fahndung und Aufklärungsarbeit involviert sein.

Die laufende Fahndungsaktion gilt längst als eine der größten in der Geschichte des Landes. Allein im Raum London arbeiten mehrere Hundert Beamte von insgesamt 41 Polizeibehörden an dem Fall. Rund 50 Objekte in London, Brimingham und High Wycombe wurden in den letzten Tagen durchsucht, an 14 Orten wird weiter ermittelt. Dazu gehört auch weiterhin ein Waldstück bei High Wycombe, circa 50 Kilometer nordwestlich von London, wo Fahnder nicht nur den Boden nach Spuren explosiver Chemikalien absuchten, sondern sich auch an Seilen hängend durch die Baumwipfel arbeiteten.

Angeblich mit Erfolg, wie die BBC am Donnerstag berichtete: Dabei sollen ein Koffer mit Materialien zum Bombenbau sowie Feuerwaffen sichergestellt worden sein. Auch das aber will Scotland Yard bisher nicht bestätigen: Die Nachrichtensperre in dem Fall ist total, nur auf politischer Ebene und zu den an der Fahndung beteiligten Polizeibehörden in anderen Ländern gibt es Informationsflüsse. Klar scheint jedoch, dass zum Wochenende hin die Fahndung noch einmal intensiviert wurde. Im Falle von zwei der Verdächtigen hat die Polizei nur noch bis Montag Zeit, Indizien und Beweise zu sammeln, die einen weiteren Verbleib in Untersuchungshaft rechtfertigen würden.

pat/AP



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