Neue DNA-Spuren Kalifornier saß 16 Jahre unschuldig hinter Gittern

Luis Vargas wurde als Vergewaltiger verurteilt, dabei war der Mann aus Los Angeles unschuldig. DNA-Tests haben ihn nun entlastet. Die Taten soll in Wahrheit der berüchtigte "Teardrop Rapist" begangen haben.

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Ein Richter in Los Angeles hat am Montag das Urteil gegen einen Mann aufgehoben, der 16 Jahre wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß. 16 Jahre als Unschuldiger. Neue DNA-Tests entlasten den Mann und bringen die Tat in Zusammenhang mit einer Reihe von Übergriffen, die der "Teardrop Rapist" ("Tränenvergewaltiger") begangen haben soll.

Luis Vargas, 46, brach in Tränen aus, als der Richter seine Freilassung aus dem Staatsgefängnis anordnete. Er bleibt jedoch in Gewahrsam, weil die Bundesbehörden nun seinen Aufenthaltsstatus überprüfen wollen.

"Ich bin glücklich und zugleich traurig, dass ich ihn nicht mit nach Hause nehmen kann", sagte seine Tochter Crystal Vargas. "Ich habe immer daran geglaubt, dass er unschuldig ist - ab dem Tag, an dem er mir das sagte." Crystal Vargas war zehn Jahre alt, als ihr Vater 1999 zu mindestens 55 Jahren Haft verurteilt wurde.

Drei junge Frauen waren zwischen Februar und Juni 1998 an Bushaltestellen in Los Angeles angegriffen worden - von einem Täter, der mindestens ein Tränentattoo unter dem Auge haben soll. Tatsächlich hatte sich Vargas als 13-Jähriger ein ähnliches Tatoo stechen lassen. Alle drei Frauen identifizierten Vargas, der zuvor schon einmal wegen Vergewaltigung verurteilt worden war, als Täter.

Obwohl Zeugen aussagten, dass er zur Tatzeit in einem Bagel-Shop arbeitete, wurde Vargas verurteilt. Er konnte seine Arbeitszeit nicht dokumentieren, und auch der Arbeitgeber hatte die Stunden laut "Los Angeles Times" nicht erfasst.

Richter William Ryan hob das Urteil nun auf. Das California Innocence Project hatte die neuen DNA-Tests initiiert. Der Organisation zufolge war Vargas damals aufgrund falscher Zeugenaussagen schuldig gesprochen worden. Die Betroffenen hätten ihn aufgrund seiner Tätowierung mit dem echten Täter verwechselt. Auch die Staatsanwaltschaft forderte die Freilassung des Verurteilten.

Fahndungsplakat des FBI: Suche nach dem "Teardrop Rapist"
AP/FBI

Fahndungsplakat des FBI: Suche nach dem "Teardrop Rapist"

Den neuen Erkenntnissen zufolge soll ein berüchtigter Serienvergewaltiger die Taten begangen haben. Dem Unbekannten, der aufgrund seiner Tränentattoos unter dem Auge "Teardrop Rapist" genannt wird, werden Dutzende Sexualstraftaten zwischen 1998 und 2012 zur Last gelegt. Das FBI hat 25.000 Dollar Belohnung für Hinweise ausgelobt, die zu seiner Ergreifung führen.

Luis Vargas besitzt laut seinem Anwalt eine Green Card, die ihm unbeschränkten Aufenthalt in den USA garantiere. Die Verteidiger gehen davon aus, dass er bald frei kommt.

hut/Reuters



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