Love-Parade-Desaster Duisburgs OB Sauerland gesteht Marketinglüge

Die Familie hat er aus der Stadt gebracht, er selbst erhält Morddrohungen: Im SPIEGEL erklärt Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland, wie er das Love-Parade-Desaster verarbeitet. Zudem gesteht er, dass er die Öffentlichkeit im Vorfeld des Events bewusst über die Besucherzahlen getäuscht habe.
Duisburgs OB Sauerland: "Das ist Wahnsinn."

Duisburgs OB Sauerland: "Das ist Wahnsinn."

Foto: ddp

Love-Parade-Katastrophe

Adolf Sauerland

Duisburg - Drei Wochen nach der hat sich Duisburgs Oberbürgermeister (CDU) erstmals ausführlich zu den Vorgängen um das Desaster geäußert. "Es ist etwas falsch gelaufen, und zwar mit schlimmen Folgen", sagte Sauerland im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Wir arbeiten unser Verwaltungshandeln jetzt auf. Und die anderen, Polizei und Veranstalter, müssen es genauso machen."

Gleichzeitig räumte Sauerland ein, die Öffentlichkeit bewusst über die Besucherzahlen der Techno-Veranstaltung getäuscht zu haben. Es habe "die medialen Millionenzahlen des Veranstalters Lopavent" gegeben - und "reale Zahlen für unsere Planung", so Sauerland. Die "mehreren Millionen" erwarteter Besucher, von denen er selbst vor der Parade gesprochen hatte, seien "nur gepushte Zahlen" gewesen, "mit denen man Marketing und nichts anderes" gemacht habe. Auf Wunsch des Veranstalters habe die Stadt Duisburg bei der Marketinglüge mitgemacht.

Gleichwohl zeigte sich der Oberbürgermeister tief betroffen. Auf die Frage, welche Konsequenzen er nach der Katastrophe für sich in Betracht gezogen habe, sagte Sauerland: "Ich habe über fast alles nachgedacht. Sie wissen nicht, welche Gedanken sich in einem Menschen entwickeln. Das ist Wahnsinn."

Nach mehreren Morddrohungen fühle sich Sauerland, der seine Familie nach eigenen Angaben "sicherheitshalber aus der Stadt gebracht" habe, als "Getriebener". So habe sich ein Unbekannter gemeldet und erklärt, man habe ihm 5000 Euro gezahlt, damit er ihn töte. Ein anderer habe gedroht, einen Kindergarten in die Luft zu sprengen, falls er nicht zurücktrete.

Bei dem Love-Parade-Unglück waren am 24. Juli in Duisburg 21 Menschen getötet und über 500 verletzt worden.