Love-Parade-Desaster Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 16 Personen

21 Menschen starben im Juli bei der Love Parade, jetzt gibt die Staatsanwaltschaft Duisburg erste Details ihrer Ermittlungen bekannt: Die 16 Beschuldigten arbeiten für die Stadt, den Veranstalter und die Polizei - Oberbürgermeister Sauerland und Lopavent-Chef Schaller gehören nicht dazu.

Unglücks auf der Love Parade

Duisburg - Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat wegen des schweren Ermittlungsverfahren gegen 16 Personen eingeleitet. Dabei handelt es sich um Bedienstete der Stadt Duisburg, Mitarbeiter des Veranstalters und Polizeibeamte, wie ein Behördensprecher am Dienstag mitteilte. Gegen sie bestehe der Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Namen wurden nicht mitgeteilt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE befinden sich unter den Beschuldigten der Duisburger Rechtsdezernent, der Stadtentwicklungsdezernent, die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts und der sogenannte Crowd Manager des Veranstalters Lopavent. Ermittelt wird demnach auch gegen einen Leitenden Polizeidirektor. Gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und den Lopavent-Chef Rainer Schaller geht die Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor. Unter den 16 Beschuldigten sind elf Mitarbeiter der Stadtverwaltung, vier von Lopavent und ein Polizist.

Sauerland teilte mit, dass städtische Mitarbeiter keine Amtspflichten verletzt hätten. Er werde alles tun, um seine Kollegen zu unterstützen.

"Die Feststellung eines Anfangsverdachts bedeutet nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht werden verantworten müssen", heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Duisburg vom Dienstag. Erst die weiteren Ermittlungen würden zeigen, ob im Einzelfall jeweils Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde.

2200 Zeugen seien im Laufe der seit einem halben Jahr andauernden Ermittlungen vernommen worden, außerdem zahlreiche Fotos, Hunderte Stunden Videoaufzeichnungen und mehrerer Terabyte elektronischer Daten analysiert worden. Es sei nicht auszuschließen, "dass weitere Personen in den Kreis der Beschuldigten einzubeziehen sein werden", heißt es in der Erklärung.

Während der Love Parade am 24. Juli 2010 war an einem überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

Sowohl die Verantwortlichen von Stadt und Ordnungskräften als auch die Veranstalter haben eine Mitschuld an dem Unglück bisher von sich gewiesen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte jetzt: "Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Auch im Interesse von Opfern und Angehörigen legen wir Wert auf eine umfassende Aufklärung."

ala/jdl/dpa/AFP
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