Katastrophe von Duisburg 2010 Love-Parade-Betroffene klagen auf Schadenersatz

21 Menschen starben bei der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg vor vier Jahren. Juristisch ist das Unglück noch immer nicht aufgearbeitet. Jetzt wollen 30 Betroffene auf Schadenersatz klagen - es geht um Hunderttausende Euro.
Love Parade 2010: 30 Betroffene wollen Schadenersatz

Love Parade 2010: 30 Betroffene wollen Schadenersatz

Foto: Daniel Naupold/ REUTERS

Bochum/Duisburg - Vier Jahre nach der Love-Parade-Katastrophe von Duisburg ziehen 30 Betroffene vor Gericht: Über ein zivilrechtliches Verfahren wollten sie beim Landgericht Duisburg Schadenersatz einklagen, sagte die Bochumer Opferanwältin Bärbel Schönhof. Die Klage richtet sich demnach gegen die Stadt Duisburg, den Veranstalter Rainer Schaller und seine Firma Lopavent sowie gegen das Land NRW als Dienstherren der Polizei.

"Sie alle haben die Leute sehenden Auges in die Katastrophe gehen lassen", sagte Schönhof. Sie wolle, dass ihre Mandanten nicht erst auf den Ausgang eines möglichen Strafverfahrens warten müssen. Es könne noch Jahre dauern, bis ein strafrechtliches Urteil erfolge. Schönhof kündigte an, jeweils bis zu 300.000 Euro Schadenersatz einklagen zu wollen.

Damit dürften die Gerichte demnächst neben der strafrechtlichen auch eine mögliche zivilrechtliche Verantwortung für das Love-Parade-Unglück zu prüfen haben. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Februar Anklage gegen sechs Beschäftigte der Duisburger Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Über die Zulassung des Strafverfahrens, bei dem Schaller nicht zu den Beschuldigten zählt, wird das Duisburger Landgericht voraussichtlich im Herbst entscheiden.

"Duisburg ist noch nicht reif für das Kunstwerk"

Die Stadt Duisburg hat indessen einer Skulptur zum Gedenken an das Unglück eine Absage erteilt: Das begehbare Tunnel-Kunstwerk "Totlast" des Raumkünstlers Gregor Schneider soll nicht errichtet werden, wie Oberbürgermeister Sören Link (SPD) jetzt entschieden hat. "Duisburg ist noch nicht reif für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent sind, welches mit dem Moment der Orientierungslosigkeit spielt", erklärte Link in einer Mitteilung.

Am 24. Juli 2010 waren bei einer Massenpanik während des Techno-Festivals in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Das tödliche Gedränge war im einzigen Zugang zum eingezäunten Veranstaltungsgeländes am früheren Duisburger Güterbahnhof entstanden.

Fotostrecke

Katastrophe bei der Love Parade: Tod im Tunnel

Foto: Daniel Naupold/ REUTERS
mxw/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.