Love-Parade-Prozess "Die Veranstaltung hätte in der Form nicht genehmigt werden dürfen"

Bei der Love-Parade-Katastrophe im Jahr 2010 starben 21 Menschen. Im Prozess wirft die Staatsanwaltschaft den zehn Angeklagten schwere Planungsfehler vor.

Kongresszentrum in Düsseldorf, in dem der Love-Parade-Prozess stattfindet
DPA

Kongresszentrum in Düsseldorf, in dem der Love-Parade-Prozess stattfindet


Im Strafprozess um die Love-Parade-Katastrophe hat die Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen. Sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg und vier Mitarbeitern des Veranstalters Lopavent wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff warf den Angeklagten schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung der Love Parade geführt hätten. "Die Veranstaltung hätte in der Form nicht genehmigt werden dürfen", sagte er.

Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt, die Einhaltung nicht kontrolliert worden. Mehrere Angeklagte hätten auch erkannt, dass die Auflagen nicht umgesetzt worden seien.

Der Zugang zum Festivalgelände sei für die erwarteten Menschenmassen nicht ausreichend gewesen. Es sei auch nicht beachtet worden, dass Menschen das Gelände verlassen wollten.

Diese Mängel hätten rechtzeitig erkannt werden können und müssen. "Die Gefahr lebensgefährlicher Drucksituationen war ihnen bewusst. Es musste zwangsläufig dazu kommen", sagte der Ankläger. Stattdessen hätten die Verantwortlichen sogar eine zusätzliche Verengung des Zugangs durch illegal errichtete Zäune hingenommen.

Kein Brandschutz- und Sicherheitskonzept

Ein Brandschutz- und Sicherheitskonzept habe bis kurz vor der Love Parade nicht vorgelegen. Der Baudezernent Jürgen Dressler habe sich dennoch nicht eingeschaltet. Am Veranstaltungstag sei keine Kontrolle der Auflagen vorgesehen gewesen.

Zuvor hatten die Verteidiger die Anwesenheit potenzieller Zeugen im Saal moniert. Das Gericht unterbrach daraufhin die Verhandlung. Zwei Zuschauer verließen den Gerichtssaal, darunter die Sprecherin von Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller.

Daraufhin stellten Verteidiger Befangenheitsanträge gegen zwei Ergänzungsschöffen. So habe die Stieftochter eines Schöffen die Love Parade besucht - auch wenn sie dabei nicht Zeuge des tödlichen Gedränges geworden sei, reiche dies für eine Befangenheit aus.

Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren erdrückt worden. Mindestens 652 wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Das Gericht steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

bbr/dpa

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