Missbrauchsfall in Lügde Weitere Datenträger auf Parzelle gefunden

Die Polizei hat bei der Beweissicherung im Missbrauchsfall in Lügde offenbar Datenträger übersehen. Ein Abrissunternehmer hat mehrere CDs und Disketten gefunden - im doppelten Boden des Wohnwagens.

Parzelle des Hauptverdächtigen: Datenträger in doppeltem Boden
Guido Kirchner/DPA

Parzelle des Hauptverdächtigen: Datenträger in doppeltem Boden


Ein Abrissunternehmer hat auf der Parzelle des Hauptverdächtigen im Missbrauchsfall von Lügde mehrere Datenträger gefunden. Sie seien ungefähr zwei Wochen nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft den Tatort offiziell freigegeben hatten aufgetaucht, berichtet der Rechercheverbund aus "Süddeutscher Zeitung" , NDR und WDR. Die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei Bielefeld bestätigten den Fund.

Seit Dienstag reißt ein örtlicher Abrissunternehmer demnach die Behausung von Andreas V. auf dem Campingplatz Eichwald ab. Beim Zerlegen eines Wohnwagens habe die Firma drei CDs und zwei Disketten gefunden. In der Mitteilung der Ermittler ist von zwei CDs die Rede.

Der Polizei und der Staatsanwaltschaft zufolge wurden eine CD und zwei Disketten am Donnerstag in einem Zwischenraum des doppelten Holzbodens des Wohnwagens gefunden. Eine weitere CD sei am Freitag im Schutt des zerstörten Wohnwagens gefunden worden.

Die Parzelle V.s war zuvor mehrfach durchsucht worden. Dabei waren immer wieder Beweismittel übersehen worden, was die Arbeit der Ermittler in keinem guten Licht erscheinen lässt. Aus rechtlichen Gründen sei es nicht möglich gewesen, die Behausung zu zerstören, argumentieren die Behörden nun. Deshalb habe man die nun entdeckten Datenträger mit "zulässigen Mitteln" nicht finden können. Der Abrissunternehmer habe die CDs und Disketten den Ermittlern zur Auswertung übergeben. Zum Inhalt machten Polizei und Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Mehr als 30 Kinder, die meisten zwischen vier und 13 Jahre alt, wurden den Ermittlern zufolge über Jahre auf dem Campingplatz missbraucht. Mehrere Tatverdächtige sitzen seit Dezember in Untersuchungshaft, darunter auch Andreas V.

Im Zusammenhang mit dem Verbrechen steht die Polizei schon länger in der Kritik. Unter anderem verschwanden 155 Beweismittel aus einem Asservatenraum. Außerdem sollen Mitarbeiter, die nicht dafür geschult waren, Opfer befragt haben. Mehrere Beamte von der Polizei Lippe wurden bereits versetzt oder suspendiert.

bbr/le

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.