Missbrauchsfall in Lügde Erneut Datenträger bei Abrissarbeiten gefunden

Elf Videokassetten, eine CD und eine Mini-CD: Am mutmaßlichen Tatort des Missbrauchsfalls von Lügde sind weitere Datenträger gefunden worden. Woher sie stammen, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt.

Auf dem Campingplatz in Lügde parkt ein Polizeiauto vor der eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters
Guido Kirchner/ DPA

Auf dem Campingplatz in Lügde parkt ein Polizeiauto vor der eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters


Nach dem erneuten Fund von Datenträgern bei Abrissarbeiten im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfalls von Lügde ermittelt die Polizei zu den Hintergründen. Insgesamt handele es sich um elf Videokassetten, eine CD und eine Mini-CD, über deren Fund der Abrissunternehmer die Polizei am Montag informiert habe, heißt es in einer Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Demnach sind die Datenträger bisher "grob" gesichtet worden. Dabei seien keine strafrechtlich relevanten Inhalte gefunden worden, sondern Unterhaltungssendungen, wie die Polizei mitteilte. Woher die Datenträger stammen, ist unklar. Sie seien "obenauf in einem Container aufgefunden worden, in dem Abrissschutt von der Parzelle des Hauptbeschuldigten zur Entsorgung abgeladen worden war", hieß es.

Es werde unter anderem ermittelt, ob Unbekannte sie in dem Container abgelegt hätten. Dass die Datenträger aus der Behausung des Hauptverdächtigen stammten, schlossen die Ermittler aus.

Auf dem Campingplatz in Lügde soll der 56-jährige Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft.

Erst vor wenigen Tagen hatten Arbeiter in einem Hohlraum im Holzboden des Wohnwagens des Hauptbeschuldigten mehrere CDs und Disketten gefunden, die von den Ermittlern zuvor nicht entdeckt worden waren. Hinweise auf weitere Opfer hatten die Ermittler nach Angaben der Polizei Bielefeld auf den Datenträgern nicht entdeckt. "Aufgrund von Beschädigungen lässt sich aktuell lediglich eine CD teilweise auslesen", hieß es in einer Mitteilung über diesen Fund.

Polizei durchsucht Geräteschuppen des Tatverdächtigen

Am Montag informierte die Polizei nun auch über einen Geräteschuppen "wenige Meter von der bekannten Parzelle des Hauptbeschuldigten entfernt", der bislang "nicht Gegenstand polizeilicher Ermittlungen" gewesen sei. Nun erklärte die Polizei allerdings, der Verschlag sei "dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen".

Der Schuppen sei nicht verschlossen gewesen und vermutlich schon "sehr lange nicht mehr betreten" worden. Die Polizei durchsuchte ihn nach Rücksprache mit dem Anwalt des Beschuldigten, fand aber eigenen Angaben zufolge keine Gegenstände, die als Beweismittel infrage kommen könnten. Es seien Werkzeuge und Metallschrott entdeckt worden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) steht wegen der pannenreichen Ermittlungen zunehmend unter Druck. Am Wochenende hatte der innenpolitische Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, Hartmut Ganzke, den Rücktritt Reuls gefordert. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer, hatte erklärt: "Er hat die Aufklärung zu seinem Projekt gemacht - daran muss er sich messen lassen."

aar/dpa

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