Missbrauchsfall in Lügde Ermittler erheben Anklage gegen zwei Tatverdächtige

Im Fall der Missbrauchsserie auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde prüft das Landgericht Detmold eine Anklage gegen zwei Beschuldigte. Gegen weitere Verdächtige wird noch ermittelt.

Campingplatz Eichwald in Lügde (Archiv)
Guido Kirchner / dpa

Campingplatz Eichwald in Lügde (Archiv)


Das Landgericht Detmold hat im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs im nordrhein-westfälischen Lügde die Anklageschrift gegen zwei der drei Beschuldigten erhalten. Das bestätigte ein Gerichtssprecher dem SPIEGEL: "Ja, die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist bei uns eingegangen, es wurde Anklage gegen zwei Beschuldigte erhoben."

Es handelt sich bei den zwei Personen um den Hauptbeschuldigten Andreas V., 56, und um den 49-jährigen Heiko V., der per Live-Chat an den Taten teilgenommen haben soll. Gegen Mario S., 34, der auch auf dem Campingplatz lebte und offenbar Komplize von Andreas V. war, wurde bislang keine Anklage erhoben.

Der Grund hierfür sei vermutlich, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Mario S. noch nicht abgeschlossen habe, sagte der Gerichtssprecher. Die Anklagen würden nun den Verteidigern von Andreas V. und Heiko V. zugestellt. Sie hätten dann die Gelegenheit, Stellungnahmen dazu abzugeben und könnten bei Bedarf entlastendes Material einreichen.

Derweil prüfe die Kammer, ob die rund 70-seitige Anklage mit dazugehörigen Haupt- und Fallakten zur Hauptverhandlung zugelassen werde, so der Sprecher. Dies werde einige Wochen dauern. Ziel der Kammer sei es, keine zwei Prozesse zu führen. Man warte wohl noch ab, bis auch eine dritte Anklage eingehe - die sich dann vermutlich gegen Mario S. richten wird.

Andreas V. und Mario S. werden beschuldigt, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die meisten der betroffenen Kinder waren zur Tatzeit zwischen drei und 14 Jahren alt.

Die Tatverdächtigen sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

wit/le/dpa/AFP

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