Missbrauchsfälle in Lügde Akten nachträglich verändert - Landrat stellt Mitarbeiter frei

Ein Beschäftigter des Landkreises Hameln-Pyrmont soll im Missbrauchsfall von Lügde nachträglich Akten des Jugendamts verändert haben. Wurden Dienstpflichten verletzt?

Landrat Tjark Bartels (Archiv)
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Landrat Tjark Bartels (Archiv)


Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat der Landkreis Hameln-Pyrmont einen Mitarbeiter "ab sofort vorsorglich vom Dienst freigestellt". Dies teilte Landrat Tjark Bartels (SPD) mit. Der Beschäftigte habe am Freitag eingeräumt, "einen Vermerk nachträglich in Akten des Jugendamts einsortiert zu haben".

Der Landkreis hat eigenen Angaben zufolge eine interne Prüfung eingeleitet. Das Verhalten des Mitarbeiters sei nicht zu tolerieren, hieß es. "Ein fehlender Vermerk in einer Akte geschieht im Büroalltag - diesen Vermerk dann aber im Nachhinein zu erzeugen und rückzudatieren, lässt den Verdacht auf einen Verstoß gegen Dienstpflichten - ganz unabhängig davon, ob die eingefügten Informationen falsch oder richtig waren - zu", sagte die Kreissprecherin.

Ihr zufolge wurde die Staatsanwaltschaft über den Vorgang informiert. Der Mitarbeiter habe sich bei den Ermittlern gemeldet. Er werde so lange freigestellt, bis die Vorwürfe geklärt seien. "Die Glaubwürdigkeit des Hauses ist in jedem Fall beschädigt", sagte Bartels.

Ermittler prüfen Verdacht der Datenlöschung

In dem Missbrauchsfall wird auch gegen eine Person wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt. Gegen diesen Verdächtigen führe man ein Verfahren wegen Strafvereitelung, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Geprüft werde, ob die Person Daten für einen der drei Hauptverdächtigen gelöscht habe und ob damit eine Bestrafung verhindert werden sollte.

Als Hauptverdächtige werden drei Männer im Alter von 33, 48 und 56 Jahren eingestuft, die in Untersuchungshaft sitzen. Gegen sie bestehe dringender Tatverdacht wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern beziehungsweise der Beteiligung daran, sagte Vetter. Daneben gebe es insgesamt drei weitere Verdächtige, zu denen die Person gehöre, die Daten gelöscht haben könnte. Diese drei seien aber frei. Im dem Fall werten die Ermittler nach eigenen Angaben rund 13.000 Dateien mit Kinderpornografie aus.

wit/dpa

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