Missbrauchsfall in Lügde Jugendamt nimmt fünf weitere Kinder in Obhut

Im Fall Lügde kam nicht nur die Pflegetochter von Andreas V. in Obhut. Das Jugendamt Lippe hat fünf weitere Kinder aus ihren Familien genommen. Auch zu ihnen gingen Anzeigen mit dem Verdacht auf Missbrauch ein.

Campingplatz Eichwald in Lügde
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Campingplatz Eichwald in Lügde


Das Jugendamt Lippe hat im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde fünf weitere Kinder in Obhut genommen. Das bestätigte ein Sprecher des Kreises. Zuvor hatte der WDR berichtet.

"Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz", sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John dem WDR. Es bestehe der Verdacht, dass die Kinder von ihren Eltern dem mutmaßlichen Täter zum Missbrauch "zugeführt" worden seien.

Die fünf Kinder stammten aus drei Familien. Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, sagte der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut.

In dem ersten bekannt gewordenen Fall soll ein arbeitsloser Dauercamper gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Er setzte dabei laut den Ermittlungen sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, ein, um andere Opfer anzulocken. Anfang 2017 hatte der Mann auf Wunsch der im Kreis Hameln in Niedersachsen lebenden Mutter die Pflegschaft für das Mädchen erhalten, das schon länger bei ihm lebte.

Von den sechs in Obhut genommenen Kindern würden aktuell noch fünf in stationären Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien betreut, sagte der Kreissprecher.

Am Dienstag hatte das Jugendamt Hameln-Pyrmont einen Bericht zu dem Fall vorgelegt. Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD) räumte ein, dass schon 2016 eine Jobcenter-Mitarbeiterin, ein anderer Vater sowie eine Kindergarten-Psychologin den Verdacht auf sexuell übergriffiges Verhalten des mutmaßlichen Haupttäters geäußert hätten. Diese Hinweise seien in den Akten vermerkt. In der Vergangenheit hatte der Landrat darauf verwiesen, dass sich die Akten noch bei der Staatsanwaltschaft befinden.

Zudem machte der Landrat öffentlich, dass eine Jugendamtsmitarbeiterin kurz vor Beschlagnahmung der Akten durch die Staatsanwaltschaft einen Eintrag gelöscht hatte, den die Ermittler rekonstruieren konnten. Darin wurde dargestellt, dass der Mann immer wieder Kontakt zu jüngeren Mädchen suche und sie in ein Abhängigkeitsverhältnis bringe. Die Frau, die die Löschung zugab, wurde vom Dienst freigestellt.

Es ist nicht die erste personelle Konsequenz aus den Vorgängen um Lügde in der Behörde. Auch der Leiter des Jugendamts wurde suspendiert, weil er einen Vermerk nachträglich eingefügt hatte.

Unterdessen weitet sich in Nordrhein-Westfalen das Verbrechen auf dem Campingplatz immer mehr zu einem Polizeiskandal aus. Unter anderem verschwanden 155 bei dem Dauercamper sichergestellte CDs und DVDs aus einem Asservatenraum. Mehrere Beamte von der Polizei Lippe wurden bereits versetzt oder suspendiert.

sen/dpa

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