Missbrauchsfall in Lügde Neuer Tatverdächtiger wurde bereits 2018 wegen Vergewaltigung angezeigt

Im Missbrauchsfall auf dem Campingplatz von Lügde gibt es einen neuen Verdächtigen. Der Mann, dessen Parzelle durchsucht wurde, ist der Polizei bekannt - eine 15-Jährige warf ihm Vergewaltigung vor.

Ermittler durchsuchen die Parzelle eines weiteren Beschuldigten auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde
Guido Kirchner/DPA

Ermittler durchsuchen die Parzelle eines weiteren Beschuldigten auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde

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Im Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde hat die Polizei eine weitere Parzelle durchsucht. In dem festen Wohnwagen, der mit einem Anbau versehen ist, lebte laut Informationen des SPIEGEL ein Freund des Angeklagten Mario S.

Der 57-Jährige und Mario S. sollen an der gleichen Adresse in Steinheim gemeldet sein. Ihre Parzellen auf dem Campingplatz "Eichwald" liegen nur wenige Meter voneinander entfernt.

Der Tatverdächtige befindet sich auf freiem Fuß. Er geriet den Ermittlern zufolge durch die Aussagen eines minderjährigen Opfers in den Fokus. Laut Innenminister Herbert Reul (CDU) habe das Kind Hinweise auf den 57-Jährigen gegeben. Der Mann stamme aus dem "sozialen Nahbereich" des Kindes. Daraufhin hätten Ermittler die Parzelle und die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet.

Bereits im vergangenen Jahr wurde gegen den Mann ermittelt. Damals hatte eine 15-Jährige Strafanzeige gegen ihn erstattet. Sie beschuldigte ihn, sie nach einer Feier im Frühling 2018 vergewaltigt zu haben. Der 57-Jährige bestritt das. Ende Oktober wurde das Ermittlungsverfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Im Einstellungsbescheid, der dem SPIEGEL vorliegt, heißt es, es könne nicht mit Sicherheit festgestellt werden, "dass der Beschuldigte vorsätzlich gegen ihren erkennbaren Willen gehandelt hat". Die Jugendliche habe ihre "(innere) Ablehnung gegen die vorgenommene Handlung weder körperlich noch verbal zum Ausdruck gebracht". Auf SPIEGEL-Anfrage bestätigten die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold dies mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Unterdessen läuft der Prozess am Landgericht Detmold wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern auf dem Campingplatz weiter. Angeklagt ist außer Mario S. der 56-jährige Andreas V. aus Lügde. Die beiden Angeklagten gestanden zum Auftakt des Prozesses den Großteil der Vorwürfe.

Neben Andreas V. und Mario S. steht auch der 49-jährige Heiko V. vor Gericht. Sein Verfahren war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden. Der Mann aus Stade soll über eine Webcam den Missbrauch der Kinder beobachtet und die Männer teilweise zu Gewalttaten angestiftet haben.

Bei der 15-Jährigen, die im vergangenen Jahr die Vorwürfe gegen den neuen Tatverdächtigen erhob, handelt es sich um die Tochter einer Frau, die im Zuge der Ermittlungen auf dem Campingplatz ebenfalls angab, von Andreas V. missbraucht worden zu sein. Mehrere Jahre soll sich Andreas V. an der heute 39-Jährigen vergangen haben. Die Taten sind mehr als 25 Jahre her, ihre Vorwürfe sind daher wohl verjährt. (Lesen Sie hier mehr zu dem Missbrauchsfall.)

Roman van Alvensleben vertritt im Prozess ein Mädchen, mit dessen Aussage die Ermittlungen gegen Andreas V. starteten. Den Vertreter der Nebenklage überraschen die Durchsuchungen einer weiteren Parzelle nicht. "Das bestätigt meine Annahmen, dass auf dem Campingplatz mehr Leute mehr wussten, und wahrscheinlich ist das auch noch nicht das Ende der Erkenntnisse", sagte er dem SPIEGEL.

Am späten Donnerstagabend wurden die Durchsuchungen auf dem Campingplatz laut Polizei abgeschlossen. Die Ermittler fanden mehrere Datenträger in der Parzelle. Zahlreiche Gegenstände, die als Beweismittel infrage kommen könnten, seien sichergestellt worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

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