Fall auf Campingplatz in NRW 23 missbrauchte Kinder - Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Jugendämter

Auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen sollen mindestens 23 Kinder missbraucht worden sein - darunter das Pflegekind des Hauptverdächtigen. Auch die Rolle der Jugendämter wird nun geprüft.

Polizeiabsperrband am Campingplatz
DPA

Polizeiabsperrband am Campingplatz


Im Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen ermittelt die Staatsanwaltschaft Detmold auch gegen mehrere Mitarbeiter der Jugendämter des Kreises Lippe und des Landkreises Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. "Wir überprüfen, ob die Behörden Fehler gemacht haben", sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Es gehe um eine mögliche Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht nach Paragraf 171 StGB.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen zwei Männer mindestens 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt haben. Ein dritter Mann fungierte nach Ermittlerangaben als Auftraggeber. Es gehe um mehr als tausend Einzeltaten. Die Verdächtigen - ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim bei Höxter und ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen - seien in U-Haft.

2016 wurde der 56-Jährige den Ermittlern zufolge Pflegevater eines kleinen Mädchens. Deren Mutter habe bereits 2015 viel Zeit auf dem Campingplatz verbracht und das Kind dann in die Obhut des Mannes gegeben. Das Mädchen soll auch zu den Opfern gehören.

Bereits Ende 2016 sei beim Jugendamt eine Kindeswohlgefährdung angezeigt worden. "Diese Anzeige bezog sich auf den Verdacht der Verwahrlosung eines Kindes - nicht eines möglichen Missbrauchs", sagte eine Sprecherin des Kreises Lippe. Das Jugendamt habe "umgehend" die Situation vor Ort geprüft.

"Die Einschätzung der Mitarbeiter ergab: Das Kind lebte in keinem verwahrlosten Umfeld, sodass das Jugendamt das Kind nicht in Obhut nahm." Die Behörde habe aber empfohlen, die Unterbringung und häusliche Situation auf Dauer zu verändern.

Diese Einschätzung und der Hinweis auf eine latente Kindeswohlgefährdung seien an das zuständige Jugendamt im Landkreis Hameln-Pyrmont weitergeleitet worden mit der Bitte, die Unterbringung des Mädchens zu überprüfen. Die Mutter wohnt nach Behördenangaben in Hameln-Pyrmont. Durch eine Entscheidung des dortigen Jugendamtes habe das Kind bei dem 56-Jährigen gelebt. Pflegevater und Mutter sollen verwandt sein.

Ende 2018 dann erfuhr das Jugendamt von einer Strafanzeige wegen Kindesmissbrauchs gegen den 56-Jährigen. Das Pflegekind sei "noch am selben Tag in Obhut genommen" worden, sagte die Kreissprecherin.

hut/dpa



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