Sonderermittler zum Missbrauchsfall in Lügde "Es gibt sehr belastendes Bildmaterial"

Etliche Beweismittel zum Missbrauchsfall Lügde sind verschwunden - dennoch beurteilt der zuständige Sonderermittler das vorhandene Material als "ausreichend". Der Hauptverdächtige sei eindeutig zu erkennen.

Eingezäunte Parzelle auf dem Campingplatz Eichwald
Guido Kirchner/ DPA

Eingezäunte Parzelle auf dem Campingplatz Eichwald


Im Skandal um den massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde hält der zuständige Sonderermittler Ingo Wünsch die Beweismittel trotz verschwundener Asservate für "ausreichend". Wünsch sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Es gibt sehr belastendes Bildmaterial, auf dem der Haupttatverdächtige eindeutig zu erkennen ist."

Kriminaldirektor Wünsch war vom nordrhein-westfälischen Innenministerium zur Kreispolizeibehörde Lippe gesandt worden, nachdem dort 155 Datenträger verschwunden waren. "Wir haben alles auf den Kopf gestellt, vom Keller bis zur Damentoilette", sagte Wünsch. Außerdem habe man 30 Befragungen durchgeführt. Die CDs tauchten aber nicht wieder auf.

In Lügde bei Detmold soll ein arbeitsloser Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige setzte dabei sein Pflegekind, ein kleines Mädchen, den Ermittlungen zufolge ein, um andere Kinder anzulocken. Bislang gehen die Ermittler von mindestens 35 Opfern aus.

Anfang 2017 hatte der Mann auf Wunsch der im Kreis Hameln in Niedersachsen lebenden Mutter die Pflegschaft für das Mädchen erhalten, das schon länger bei ihm lebte.

Auch in Niedersachsen werden inzwischen Forderungen nach einem Sonderermittler laut. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Dirk Toepffer, sieht dringenden Bedarf für einen Sonderermittler. Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung sei eine unabhängige Instanz wegen des offensichtlichen Behördenversagens nötig.

"Wir haben einen Skandal, der zwei Bundesländer betrifft: auf der einen Seite haben wir offensichtlich zu 99 Prozent Polizeiversagen, auf unserer Seite haben wir zu 99 Prozent offensichtliches Versagen der Jugendbehörde", sagte er. Eine Entscheidung müsse nun aber auf Kreistagsebene getroffen werden.

cop/dpa

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