Tödliches Unglück in Südtirol "Da habe ich die Leute über die Straße fliegen sehen"

Sechs junge Deutsche starben, als ein Sportwagen in Südtirol in eine Menschengruppe fuhr. Nun werden weitere Details über den Unglückshergang bekannt - und über die Rolle des offenbar betrunkenen Fahrers.
Trauernde am Unglücksort in Luttach: Wie schnell fuhr der Unfallverursacher?

Trauernde am Unglücksort in Luttach: Wie schnell fuhr der Unfallverursacher?

Foto: Lino Mirgeler/DPA

Die Polizei steht nach dem tödlichen Unglück in Südtirol noch am Anfang ihrer Ermittlungen, doch der Ablauf des Geschehens im Ort Luttach wird schon jetzt klarer. Ein offenbar betrunkener Autofahrer war am frühen Morgen in eine Gruppe junger Urlauber aus Deutschland gefahren. Er war wohl auch deutlich zu schnell unterwegs, wie jetzt ein Augenzeuge sagte.

Er habe den Autofahrer mit viel zu hohem Tempo herannahen sehen, habe ihn noch zu warnen versucht und das Licht seines Wagens aufblenden lassen, sagte der Busfahrer, der die Gruppe zuvor transportiert hatte. "Da habe ich schon die Leute über die Straße fliegen sehen."

Sechs Menschen starben noch an der Unfallstelle, elf weitere erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Bei einem ersten Test stellten Ermittler beim Unfallfahrer mehr als 1,9 Promille Alkohol im Blut fest.

Der Busfahrer sagte, er habe die jungen Leute gerade aussteigen lassen. Die Gruppe habe in ihre Unterkunft gehen wollen, wozu sie demnach die Straße überqueren musste. Die Todesopfer, Touristen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, sollen gerade auf dem Heimweg von einem Discobesuch gewesen sein.

Eine weitere Augenzeugin kam zufällig mit ihrem Auto an der Unfallstelle vorbei, noch bevor die Rettungskräfte eintrafen. "Ich musste eine Vollbremsung machen, weil da jemand gelegen ist", berichtete sie beim Videoanbieter NonstopNews. "Ich bin aus dem Auto ausgestiegen und überall lagen Leute, Blut und Schuhe." Die Frau sagte, die Straßen seien zu dem Zeitpunkt spiegelglatt gewesen.

Die Mehrzahl der Todesopfer stammt wohl aus Nordrhein-Westfalen. Das gab NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auf Twitter bekannt. "Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig", schrieb der CDU-Politiker. "Nordrhein-Westfalen steht angesichts dieser schlimmen menschlichen Tragödie an der Seite der Angehörigen der Todesopfer und der Verletzten." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte in einer Mitteilung, die Nachrichten aus Südtirol seien "erschütternd - ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet". Sie trauere mit allen, "die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben".

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Das Fahrzeug sei in eine Gruppe aus insgesamt 17 Menschen gefahren, teilte die Polizei mit. Die Ermittler gehen von einem Unfall aus, nicht von einer absichtlichen Tat. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr sagte der "Tageszeitung Online": "Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld."

Der Fahrer des Autos kam in ein Krankenhaus, wo er unter Polizeibewachung behandelt wird. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der mehrfachen Tötung im Straßenverkehr ermittelt. Dem Sender Rai Südtirol zufolge drohen ihm im Falle einer Verurteilung bis zu zwölf Jahre Haft.

Die Polizei ermittle den Hergang des Unglücks, hieß es beim Landeskommando der Carabinieri. Die Opfer müssten noch identifiziert werden. In der Gruppe hätten sich nicht alle untereinander gekannt und nicht alle hätten Dokumente bei sich gehabt, teilten die Behörden mit.

Feuerwehr am Unglücksort: "Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld"

Feuerwehr am Unglücksort: "Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld"

Foto: Freiwillige Feuerwehr Luttach/DPA

Das Auswärtige Amt nahm Kontakt zu den italienischen Behörden auf. Mitarbeiter des Generalkonsulats in Mailand unterstützen bei der Identifizierung der Verunglückten. Sie würden auch bei der Betreuung der Betroffenen helfen.

Vertreter der Einsatzkräfte und der örtlichen Behörden zeigten sich auf einer Pressekonferenz am Vormittag entsetzt über den Vorfall. "Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie", sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher laut Rai. "Wir sind alle geschockt." In dem Ort soll es seit Längerem Klagen geben über Autos, die auf der Hauptstraße rasen.

Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, die etwas mehr als tausend Einwohner hat und im äußersten Norden Südtirols liegt. Die Gegend liegt in Norditalien an der Grenze zu Österreich und ist ein Ski- und Wintersportgebiet. Der Ort ist beliebt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

mxw/mst/dpa/AFP