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08. Juli 2011, 20:36 Uhr

Luxushotel

Strauss-Kahn soll Frauen in Suite eingeladen haben

Dominique Strauss-Kahn soll wenige Stunden vor seiner Verhaftung in New York zwei Hotelangestellte in seine Suite eingeladen haben, berichtet die "New York Times". Zudem wurde der ehemalige IWF-Chef mit einer weiteren Frau am Morgen des fraglichen Tages im Aufzug gefilmt.

New York/Paris - In der Nacht vor den angeblichen sexuellen Übergriffen auf ein Zimmermädchen im New Yorker Hotel Sofitel soll Dominique Strauss-Kahn zwei andere Hotelangestellte in seine Suite eingeladen haben. Die beiden Frauen hätten dies aber abgelehnt, berichtete die Zeitung "New York Times" am Freitag unter Berufung auf Polizeikreise.

Am frühen Morgen des 14. Mai habe eine Überwachungskamera den damaligen Chef des Internationalen Währungsfonds zudem beim Betreten eines Fahrstuhls in Begleitung einer Frau gefilmt. Dem Bericht zufolge betrat Strauss-Kahn mit der Frau um 1.20 Uhr den Aufzug. Laut "New York Times" arbeitete sie nicht in dem Hotel. Sie habe gegenüber Ermittlern keine Auskunft zu ihrem Besuch bei Strauss-Kahn geben wollen. Am nächsten Morgen sei in das Zimmer ein Frühstück für eine Person bestellt worden.

Wenige Stunden später wurde er unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens festgenommen. Das Verfahren könnte aber möglicherweise bald eingestellt werden, weil Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers aufgekommen sind.

Behörden nehmen Vorermittlungen in Frankreich auf

Auch in seiner Heimat Frankreich muss sich Strauss-Kahn womöglich auf eine juristische Auseinandersetzung vorbereiten. Gegen den 62-Jährigen sind nach der Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung der Autorin Tristane Banon Vorermittlungen eingeleitet worden. Mit der Untersuchung des Falls soll sich die auf solche Fälle spezialisierte Sonderheit BRDP beschäftigen.

Für Strauss-Kahn bedeuten die Vorermittlungen zunächst nur, dass die Staatsanwaltschaft einen ersten Anfangsverdacht sieht. Dafür reicht in der Regel die Aussage des mutmaßlichen Opfers. Die Strafverfolgungsbehörden müssen nun Spuren, Aussagen von Zeugen oder mutmaßlichen Opfern sowie weitere Hinweise sammeln. Erst dann wird geklärt, ob es ein offizielles Verfahren gibt.

Anfang der Woche hatte die 32-jährige Banon gegen Strauss-Kahn Anzeige erstattet. Sie sei im Februar 2003 von dem Politiker sexuell bedrängt worden, als sie für ein Buchprojekt ein Interview mit ihm führen wollte, teilte Banon mit. Strauss-Kahn bestreitet die Vorwürfe und will Banon wegen falscher Anschuldigen anzeigen. Er galt bis vor kurzem als aussichtsreichster möglicher Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahlen 2012.

Banons Anwalt kündigte am Freitag hingegen an, im Besitz umfassenden Beweismaterials zu sein. "Es sind SMS verschickt worden und es existieren Atteste", sagte David Koubbi. Es werde nicht auf ein Verfahren hinauslaufen, in dem Aussage gegen Aussage stehe.

ulz/dpa/AFP

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