Nach Explosion in Lyon Französische Polizei findet DNA-Spur auf Sprengsatz

Nach einer Explosion in der Lyoner Innenstadt hat die Polizei weitere Fotos des Verdächtigen veröffentlicht. Auf dem Sprengsatz wurden DNA-Spuren nachgewiesen.

Polizisten am Samstag in der Lyoner Innenstadt
REUTERS

Polizisten am Samstag in der Lyoner Innenstadt


Auch zwei Tage nach der Detonation einer Bombe in der ostfranzösischen Stadt Lyon befindet sich der Täter weiter auf der Flucht. Bei ihren Ermittlungen kann die Polizei jedoch auf neue Hinweise zurückgreifen.

Auf dem detonierten Gegenstand - einer Tasche - sei eine DNA-Spur gefunden worden, hieß es aus Ermittlerkreisen. Noch sei aber unklar, ob diese von dem Hauptverdächtigen stamme. Die Polizei fahndet nach einem Mann, der mit einem Fahrrad geflohen sein soll.

Die Ermittler vermuten, dass der Täter kleine Mengen des Sprengstoffs TATP verwendet hat. Die hochexplosive Substanz wurde in der Vergangenheit von Dschihadisten eingesetzt, etwa bei den Pariser Anschlägen im November 2015.

Am späten Freitagnachmittag war eine mit Schrauben und Metallkugeln gefüllte Tasche in einer Fußgängerzone in der Altstadt von Lyon detoniert. Bei der Explosion wurden 13 Menschen leicht verletzt. Elf Menschen mussten in Kliniken gebracht werden. Die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer Terrortat ein.

"Ich dachte, es wäre ein Autounfall"

Die Polizei veröffentlichte am Samstagabend auf Twitter weitere von einer Überwachungskamera kurz vor der Explosion aufgenommene Bilder des Hauptverdächtigen. Der etwa 30 Jahre alte Mann auf einem schwarzen Mountainbike wurde zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe des Tatorts beobachtet und trug einen dunklen Rucksack bei sich. Die Polizei beschrieb ihn als "gefährlich".

Der Bürgermeister des zweiten Arrondissements von Lyon, Denis Broliquier, sagte, der Sprengsatz sei zu schwach gewesen, um zu töten. "Ich dachte, es wäre ein Autounfall", sagte eine 17-Jährige. Die Studentin hielt sich zum Zeitpunkt der Explosion rund 15 Meter vom Tatort entfernt auf.

Die Ermittler arbeiteten "mit allen Mitteln daran, den Täter schnell zu identifizieren und festzunehmen", sagte Staatsanwalt Rémy Heitz bei einer Pressekonferenz in Lyon. Insgesamt seien 90 Fahnder und 30 technische Experten der Polizei mit dem Fall befasst.

Mithilfe von Sicherheitskameras konnte ein Teil des Weges des mutmaßlichen Täters nachverfolgt werden. Der Tatverdächtige habe eine Papiertüte vor der Bäckerei im Zentrum der Stadt abgestellt und sei danach wieder auf sein Fahrrad gestiegen und habe denselben Weg zurück genommen, sagte Heitz.

Bislang habe sich niemand zu der Tat bekannt, sagte der Staatsanwalt. Nach einem ersten Zeugenaufruf hätten sich "mehrere Dutzend Zeugen" gemeldet, deren Aussagen derzeit ausgewertet würden.

irb/AFP/dpa



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