Verschwundenes Kind Neuer Verdächtiger im Fall Maddie

Die britische Polizei verfolgt im Fall Madeleine McCann eine neue Spur. Offenbar ist ein Verdächtiger ins Visier der Ermittler geraten. Die Fahnder wollen laut "Guardian" ein Phantombild veröffentlichen, um das Verschwinden des Mädchens aufzuklären.

REUTERS/Metropolitan Police

London - Mehr als sechs Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Madeleine McCann gibt es möglicherweise wieder Hoffnung. Die britische Polizei werde demnächst ein Phantombild eines Verdächtigen veröffentlichen, berichtet der "Guardian". Verbunden mit einem erneuten Aufruf an Zeugen soll so offenbar ein Mann identifiziert werden, der sich zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden im Mai 2007 in der Nähe der Ferienwohnung der McCanns in Portugal aufgehalten hat.

Die Eltern der damals drei Jahre alten Maddie, Gerry und Kate McCann, hatten sich bereits in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme "stark ermutigt" gezeigt, dass der Verbleib ihrer Tochter geklärt werden kann. Die neuen Ermittlungen von Scotland Yard hätten "ein Puzzle zusammengefügt", heißt es in der Stellungnahme des britischen Ärztepaars.

Wenige Tage zuvor hatte Scotland Yard erklärt, man wolle die Telefondaten sämtlicher Menschen auswerten, die sich im Mai 2007 in dem Feriendorf Praia da Luz an der portugiesischen Algarve-Küste aufgehalten hatten. Die Londoner Polizei hat nach der Schließung der Ermittlungsakten 2008 in Portugal kein offizielles Ermittlungsverfahren aufgenommen - dies könnte nur die portugiesische Polizei tun. Diese sieht dafür gegenwärtig jedoch keinen Anlass, weil keine stichhaltigen neuen Beweise vorlägen. Allerdings arbeite die portugiesische Polizei inzwischen eng mit den britischen Ermittlern zusammen, berichtete Scotland Yard.

Rekonstruktion des Falls in BBC-Sendung

Die britischen Ermittler hatten den Fall im Jahr 2011 in die Hand genommen, nachdem sich der Premierminister David Cameron persönlich dafür eingesetzt hatte. Im vergangenen Juli gab die Londoner Polizei bekannt, es hätten sich bei den Untersuchungen 41 "Personen von Interesse" herauskristallisiert. Man werde versuchen, diese zu kontaktieren. In drei Fällen gab Scotland Yard inzwischen wieder Entwarnung. Laut "Guardian" zeigen die Ermittler jedoch großes Interesse an einer Person, die sie als möglichen Verdächtigen betrachten.

Am 14. Oktober werde das britische BBC-Fernsehen in seiner Sendung "Crimewatch" - vergleichbar mit dem deutschen "Aktenzeichen XY... ungelöst" - eine Rekonstruktion des Falles ausstrahlen. Eltern und Polizei erhoffen sich weitere Hinweise. Der Beitrag soll auch im deutschen und niederländischen Fernsehen zu sehen sein. "Wir glauben, dass wir das bisher kompletteste Bild zum Umfeld des Verschwindens zusammengetragen haben", sagte Andy Redwood von Scotland Yard. "Wir richten gezielte Hilfsaufrufe an die Öffentlichkeit", sagte er. Es könne durchaus der Fall sein, dass jemand Schlüsselinformationen besitzt, und sich dessen gar nicht bewusst ist.

In der Sendung soll laut "Guardian" auch das Phantombild des Verdächtigen gezeigt werden. Die Polizei wollte dies der Zeitung nicht bestätigen. Das Material werde zum erforderlichen Zeitpunkt veröffentlicht, sagte ein Polizeisprecher.

Seit dem Verschwinden wenden sich immer wieder Menschen an die Polizei, die Maddie lebend gesehen haben wollen. Bisher verliefen alle diese angeblichen Spuren im Sande. Die Boulevardzeitung "Daily Mirror" berichtete am Sonntag von einem Rechtsanwalt, bei dem sich ein Zeuge gemeldet haben soll, der Maddie auf einer Mittelmeerinsel gesehen haben will. Der Anwalt wird mit den Worten zitiert, sein "Bauchgefühl" habe ihm gesagt, er müsse dies an die Polizei weitergeben.

Es wurden auch bereits mehrfach Phantombilder veröffentlicht, die mutmaßliche Entführer zeigen sollten und nach Beschreibungen von Augenzeugen erstellt wurden. Doch bislang blieben alle Anstrengungen, den Fall aufzuklären, ohne Erfolg.

wit/dpa



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agua 09.10.2013
1.
Zitat von sysopREUTERS/Metropolitan PoliceDie britische Polizei verfolgt im Fall Madeleine McCann eine neue Spur. Offenbar ist ein Verdächtiger ins Visier der Ermittler geraten. Die Fahnder wollen laut "Guardian" ein Phantombild veröffentlichen, um das Verschwinden des Mädchens aufzuklären. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/maddie-polizei-will-phantombild-im-fall-madeleine-mccann-zeigen-a-927025.html
Ich glaub es nicht.Monatelang war diese Geschichte täglich in der portugiesischen Presse.Nicht erwähnt wird im Artikel,dass der damals leitende Polizeikommissar vom Dienst suspendiert wurde,als die Spuren eine Verdächtigung der Eltern berechtigten.Die Eltern veranlassten eine Schliessung des Falles.Nun nach all den Jahren soll die Geschichte wieder aufgerollt werden? Erstaunt mich darüber in Spon zu lesen.
timepiece123 09.10.2013
2. Wie lange noch?
Die Eltern sollten endlich erklären, was mit ihrer Tochter geschehen ist. Auch die portugisiesischen Ermittler gehen ja wohl von einer wie auch immer gearteten "Täterschaft" der Eltern aus.
J_Chef_Kennedy 09.10.2013
3. optional
So traurig es ist, keine frage, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass nach nunmehr sechs Jahren das Kind wieder auftaucht. Allein dem verdächtigen nachzuweisen, das er damit was zu tun hat stellt eine Herausforderung dar. Ich hoffe das Maddie gefunden wird, aber objektiv gesehen sehr unwahrscheinlich.
washington.mayfair 09.10.2013
4.
Zitat von timepiece123Die Eltern sollten endlich erklären, was mit ihrer Tochter geschehen ist. Auch die portugisiesischen Ermittler gehen ja wohl von einer wie auch immer gearteten "Täterschaft" der Eltern aus.
Ja ich befürchte auch, dass die Eltern etwas damit zu tun haben. Dieser ganze Hype lenkt vom eigentlichen ab. So nach dem Motto haltet den Dieb. Nur nichts genaues weiß man nicht und wenn man die Eltern von der englischen Polizei aus grundsätzlich als Täter ausschließt, ist das auch keine gründliche Arbeit.
medoc 09.10.2013
5. Zurückhaltung ist angebracht
Vielleicht wissen die Eltern, was sich zugetragen hat (analog Amanda Knox?) Wir könnnten uns aber irren und den Eltern fürchterliches Unrecht tun.
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