Verdächtiger im Fall Madeleine McCann Haftbefehl gegen Christian B. wegen weiterer Sexualstraftaten erlassen

Christian B. ist wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauchs angeklagt. Nun hat das Landgericht Braunschweig Haftbefehl erlassen. Der 45-Jährige sitzt bereits wegen einer anderen Tat im Gefängnis.
Christian B. (2018): Wegen mehrerer Sexualstraftaten angeklagt

Christian B. (2018): Wegen mehrerer Sexualstraftaten angeklagt

Foto: ITALIAN CARABINIERI PRESS OFFICE / AFP

Gegen Christian B. – den Verdächtigen im Fall der verschwundenen Madeleine McCann – ist Haftbefehl wegen mehrerer weiterer Sexualstraftaten erhoben worden. Das teilte das Landgericht Braunschweig mit. Insgesamt gehe es um fünf Taten, bei denen der dringende Tatverdacht bejaht werde. Auf den Fall Madeleine McCann bezieht sich der Haftbefehl nicht.

Eine Vollstreckung des neuen Haftbefehls ist laut Gericht derzeit nicht möglich, weil es dafür der Zustimmung Italiens bedarf. Dort war B. 2018 aufgegriffen und wegen einer anderen Straftat nach Deutschland ausgeliefert worden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig will nun die Genehmigung einholen. Der Haftbefehl hätte allerdings ohnehin keine direkten Auswirkungen, da B. derzeit in Niedersachsen eine siebenjährige Freiheitsstrafe unter anderem wegen der Vergewaltigung einer älteren US-Touristin in Portugal absitzt. Grundsätzlich sieht das Gericht bei dem 45-Jährigen jedoch die Haftgründe der Fluchtgefahr und der Wiederholungsgefahr.

Hintergrund ist eine Anklage für Taten, die B. in den Jahren 2000 bis 2017 in Portugal begangen haben soll. Die Ermittler werfen B. Vergewaltigung und Kindesmissbrauch vor. Die Opfer waren laut Staatsanwaltschaft Mädchen und Frauen zwischen etwa zehn Jahren und dem Seniorenalter. Eines der mutmaßlichen Opfer ist die Irin Hazel Behan, die als 20-Jährige im Juni 2004 an der portugiesischen Algarveküste in ihrer Wohnung in einer Ferienanlage überfallen und vergewaltigt wurde.

Einige der weiteren mutmaßlichen Opfer sind bislang unbekannt. Die Ermittler verweisen auf Videoaufnahmen, die der Beschuldigte selbst von den Opfern während der Taten angefertigt haben soll. Die Aufnahmen liegen der Polizei allerdings nicht vor. Die Anklage stützt sich auf Zeugenaussagen von zwei Männern, die über die Videos ausgesagt haben. Einer von ihnen hatte gegenüber der Polizei B. auch im Fall Madeleine McCann beschuldigt. Das dreijährige Mädchen war 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwunden. Von Madeleine fehlt bis heute jede Spur.

Rechtsanwalt Friedrich Fülscher, der Christian B. vertritt, erklärte gegenüber dem SPIEGEL: »Der Haftbefehl beeindruckt uns wenig. Das war absehbar, zumal Braunschweig als ein Gerichtsort gilt, bei dem zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft kaum ein Blatt Papier passt.«

bbr/gud
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