Verschwundenes Mädchen Was wurde aus ... der Suche nach Maddie McCann?

Ihr Schicksal bewegte ganz Europa, seit siebeneinhalb Jahren ist Maddie McCann nun schon verschwunden. Die britische Polizei rollt die Ermittlungen neu auf, doch bisher enden alle Spuren im Nichts.

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Die Recherche-Serie
Über viele Nachrichten und Menschen wird eine Zeit lang sehr ausführlich berichtet - dann verschwinden sie wieder aus den Schlagzeilen. Wie entwickeln sich die Themen weiter, was wurde aus den Personen? Das erklären wir in dieser Serie.
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Den elften Geburtstag ihrer ältesten Tochter feierten Kate und Gerry McCann am 12. Mai wie jedes Jahr - mit einer Torte und Geschenken. Ganz so, als wäre sie noch da. Dabei ist es nun schon sieben Jahre her, dass die damals dreijährige Madeleine McCann aus der Ferienanlage "Ocean Club" im portugiesischen Praia da Luz verschwunden ist. Niemand weiß, ob sie noch lebt.

Die Eltern der kleinen Engländerin wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Und auch die Polizei hat einen neuen Fahndungseifer entwickelt. Nachdem die portugiesischen Behörden den Fall 2008 bereits zu den Akten gelegt hatten, laufen nun gleich zwei Untersuchungen. Erst begann Scotland Yard 2012 unter dem Druck der britischen Öffentlichkeit, den Fall neu aufzurollen. Seit Mai 2014 ermittelt auch die portugiesische Polizei wieder.

Im Rahmen der "Operation Grange" überprüfen 30 britische Beamte die Polizeiarbeit von damals. Sie untersuchen sämtliche Beweisstücke aus der Ferienwohnung mit neuen DNA-Methoden, befragen Dutzende Zeugen und Verdächtige zum wiederholten Mal. Im Sommer haben sie sogar die Umgebung des Tatorts noch einmal durchkämmt und umgegraben - auf der Suche nach neuen Spuren.

Die portugiesischen Ermittler sind inzwischen offener gegenüber ihren britischen Kollegen. Lange war das Klima zwischen beiden Seiten vergiftet. Die Briten warfen den Portugiesen vor, den Entführungsfall zu schnell abgeschrieben zu haben. Die Portugiesen hingegen verstanden die Obsession der Briten nicht und taten deren Einmischung als mediengesteuerten Aktionismus ab.

Neue Erkenntnisse hat die Zusammenarbeit bislang nicht zutage gefördert, die Polizei tappt weiter im Dunkeln. Lebt Maddie noch? Ist sie in Portugal oder in einem anderen europäischen Land? War der Täter ein Pädophiler? Die Fragen haben sich im Laufe der Jahre nicht geändert - und sind längst Allgemeingut. Wenn die Fahnder über den Stand der Ermittlungen berichten, sorgt dies für Schlagzeilen in ganz Europa, nicht nur in Großbritannien. Jedes neue Phantombild des Kindes wird millionenfach verbreitet.

Im Oktober 2013 wurde Maddies Verschwinden in Fernsehsendungen in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland minutiös rekonstruiert. Phantombilder von Verdächtigen wurden veröffentlicht, in der Hoffnung, den entscheidenden Tipp zu bekommen. Es kamen Tausende Hinweise, doch brauchbar waren sie offenbar nicht. Im Laufe der Jahre meldeten sich auch immer wieder Anrufer bei der Polizei, die Madeleine irgendwo auf der Straße gesehen haben wollen. Jedes Mal handelte es sich um eine falsche Fährte.

Das wirft die Frage auf: Ist der Aufwand noch gerechtfertigt? Müssen die Ermittler nach sieben Jahren wirklich jedem Hinweis nachgehen? Tun sie das überhaupt oder erwecken sie nur den Eindruck, um die Ausgabe von Steuergeldern zu rechtfertigen? Allein die "Operation Grange" hat bislang zehn Millionen Pfund gekostet. Noch scheint die Geduld der Briten nicht erschöpft, das Schicksal des Mädchens berührt die Nation. Premierminister David Cameron höchstpersönlich hatte die laufende Untersuchung 2011 angekündigt und den Fall so zur Chefsache erhoben.

Doch kann die Stimmung jederzeit kippen. Früher oder später werden die Kosten des Polizeieinsatzes ins Zentrum der Debatte rücken. Die Fahnder werden erklären müssen, für wie wahrscheinlich sie es halten, den oder die Entführer noch zu finden. Sollten sie die Akten ein zweites Mal schließen, werden die McCanns wohl keine weitere Untersuchung durchsetzen können. Das Engagement privater Ermittler führte auch schon zu bösen Überraschungen: Ein Detektiv, den die Eltern in ihrer Verzweiflung über die schleppende Polizeiarbeit anfangs angeheuert hatten, wurde als mutmaßlicher Betrüger festgenommen.

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    Die Serie "Was wurde aus...?" spürt Themen und Menschen nach, die einst die Schlagzeilen beherrschten, dann aber aus dem Blickfeld verschwanden. Wir recherchieren, wie sich die Ereignisse fortentwickelt haben, und erzählen die Geschichte weiter. Jetzt können Sie mitentscheiden, welche Themen wir auswählen: Schicken Sie bitte Ihren Themenvorschlag an
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    Außerdem in dieser Serie erschienen: Nokia, Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust, Talkshowmoderatorin Arabella Kiesbauer, Ehec, Steinkohlebergbau, Radstar Jan Ullrich, Ägyptens Ex-Diktator Hosni Mubarak, Aids, Deutschlandstipendium, Transrapid, Dioxin, Prokon, Chatportal Knuddels, "Costa Concordia" und viele mehr.
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Seite 1
humpalumpa 24.11.2014
1.
Mir tun die Eltern unendlich leid und ich hoffe, sie geben nie auf und finden sie wieder. Der Autor sollte sich schämen, mit der Kostendebatte anzufangen oder zu Fragen, ob nach 7 Jahren so ein Aufwand noch gerechtfertigt ist. Was soll das? 1.) Steuern werden für jeden Mist verbraten und hierfür wird nach dem Sinn gefragt? 2.) ja! Der Aufwand ist auch nach 10 Jahren noch gerechtfertigt! Eine Entfühung verjährt nicht! Ich frag mich, ob er auch so unverschämte Fragen in die Runde werden würde, wenn es sein Kind wäre.
alafesh 24.11.2014
2.
Zitat von humpalumpaMir tun die Eltern unendlich leid und ich hoffe, sie geben nie auf und finden sie wieder. Der Autor sollte sich schämen, mit der Kostendebatte anzufangen oder zu Fragen, ob nach 7 Jahren so ein Aufwand noch gerechtfertigt ist. Was soll das? 1.) Steuern werden für jeden Mist verbraten und hierfür wird nach dem Sinn gefragt? 2.) ja! Der Aufwand ist auch nach 10 Jahren noch gerechtfertigt! Eine Entfühung verjährt nicht! Ich frag mich, ob er auch so unverschämte Fragen in die Runde werden würde, wenn es sein Kind wäre.
sie haben offenbar keine Ahnung, daß es einige hundert verschwundene Kinder gibt, bei denen die Ermittlungen irgendwann ruhen. Deren Eltern haben nicht soviel Presse und nicht so viele Mittel. Wenn alle Ermittlungen ins Leere laufen, kann man natürlich auch nach Jahren noch Spuren suchen. Aber es ist legitim, den Aufwand in einem Verhältnis zum möglichen Nutzen zu sehen, der Ihrer Ansicht widerspricht.
karend 24.11.2014
3. Ungewissheit, erneuter Versuch
Diese Ungewissheit muss nahezu unerträglich sein. Hoffentlich findet die Polizei doch noch Spuren, die Klarheit bringen. Dass es zudem Menschen gibt, die solche Situationen ausnutzen - in diesem Fall der falsche Detektiv - ist verachtenswert.
rational_bleiben 24.11.2014
4.
Zitat von humpalumpaMir tun die Eltern unendlich leid und ich hoffe, sie geben nie auf und finden sie wieder. Der Autor sollte sich schämen, mit der Kostendebatte anzufangen oder zu Fragen, ob nach 7 Jahren so ein Aufwand noch gerechtfertigt ist. Was soll das? 1.) Steuern werden für jeden Mist verbraten und hierfür wird nach dem Sinn gefragt? 2.) ja! Der Aufwand ist auch nach 10 Jahren noch gerechtfertigt! Eine Entfühung verjährt nicht! Ich frag mich, ob er auch so unverschämte Fragen in die Runde werden würde, wenn es sein Kind wäre.
Vorsicht bei solch steilen Anschuldigungen! Die Mittel der Behörden sind begrenzt, es geht nicht nur um finanzielle Mittel (die man für solch einen Fall sicherlich immer bereitwillig zur Verfügung stellen wird), es gibt auch nur eine begrenzte Anzahl von Experten für Vermisstenfälle und auch nur eine begrenzte Zahl von Beamten insgesamt. Unendlich viel finanziellen und personellen Aufwand in einen Fall zu stecken bedeutet automatisch auch, jüngere Fälle zu vernachlässigen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Wiederauffindung wesentlich höher ist. Erklären sie mal den anderen Eltern, dass die Hälfte aller Experten seit 10 Jahren mit einem Fall beschäftigt ist, und das bis er gelöst ist - wo jeden Tag in Europa Kinder verschwinden und viele nie wieder gesehen werden. Niemand ist hier böse, wenn er den Aufwand hinterfragt. Es geht immer um eine Abwägung, denn alle wollen Gerechtigkeit. Wenn schon, dann kann man die personelle Ausstattung der Behörden bemängeln (was ich immer sehr gerne tue, denn die Polizei HAT zu wenig Personal), zu kritisieren ist dann aber die Politik. Den Eltern und dem Kind wünsche ich alles Gute. Die Hoffnung bleibt bestehen. Dem Täter oder den Tätern wünsche ich... nun, das werd ich hier so wohl nicht sagen dürfen.
humpalumpa 24.11.2014
5. @#2
Sehe ich nicht so. Natürlich gibt es viele Fälle. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Kinder nach Jahren wieder gefunden werden und leben. Allerdings allesamt nur Dank des Engagements der Eltern oder der Entführten selbst. Nicht Dank der Polizei. Da wird am völlig falschen Ende gespart. Mir fällt so Einiges ein, bei dem ich mich echt gern weigern würde, Steuern zu zahlen. Aber genau dafür sind sie da. Also finde ich es völlig legitim und notwendig, dass Eltern da hartnäckig sind. Es geht schließlich um Ihr Kind! Würden sie bei ihrem Kind die Suche aufgeben, aus den im Artikel angebrachten Gründen? Würden Sie ihr Kind aufgeben?
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