»Blaulichtbegeisterung« Männer legen menschenähnliche Puppen auf Gleise – Lokführer unter Schock

Zwei Männer platzierten Puppen in echter Kleidung auf Bahngleisen. Die betroffenen Lokführer standen unter Schock: Sie glaubten, Menschen überfahren zu haben. Nun verurteilte ein Gericht die Täter zu Bewährungsstrafen.
Puppe in echter Kleidung: Motiv »Blaulichtbegeisterung«

Puppe in echter Kleidung: Motiv »Blaulichtbegeisterung«

Foto: Bundespolizeiinspektion Kassel

Zwei Männer, 21 und 23 Jahre alt, haben im vergangenen Januar mehrere Lokführer in einen Schockzustand versetzt: Die Täter legten menschenähnliche Puppen auf Bahngleise, sodass die Lokführer der betroffenen Züge glaubten, Menschen überfahren zu haben. Dafür wurden die Täter vom Amtsgericht Korbach in Hessen nun zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und zu Schmerzensgeld verurteilt.

Das Gericht befand die beiden nach Angaben eines Sprechers wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und vorsätzlicher Körperverletzung für schuldig. Gegen den 21-Jährigen wurde eine Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verhängt. Sein 23 Jahre alter Komplize erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten, weil noch ausstehende Einzelstrafen eines anderen Amtsgerichts einbezogen wurden. Außerdem müssen die beiden Männer gemeinsam 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Täter hätten vor Gericht auf die Frage nach ihren Gründen von »Blaulichtbegeisterung« gesprochen. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts gegenüber dem SPIEGEL. Sie hätten vor Gericht allerdings Reue gezeigt und sich bei den Lokführern entschuldigt.

Die selbst gebauten Puppen wurden mit Kleidung überzogen

Die selbst gebauten Puppen wurden mit Kleidung überzogen

Foto: Bundespolizeiinspektion Kassel

Die beiden Verurteilten hatten die Puppen Anfang des vergangenen Jahres in Nordrhein-Westfalen und Hessen ausgelegt. Ein Lokführer musste deswegen in der Nähe von Marsberg im Hochsauerlandkreis eine Notbremsung einleiten. Am Tag darauf ereilte einen Kollegen im hessischen Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg dasselbe Schicksal. Beide erlitten einen Schock und mussten laut Polizeibericht  arbeitsunfähig abgelöst werden.

Mehrere Bundespolizisten durchsuchten demnach unter anderem die Wohnungen der beiden Männer, stellten Gegenstände der Tatausführung sicher und nahmen die Männer fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

sah/dpa
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