Italien Ermittler nehmen zahlreiche Verdächtige bei Anti-Mafia-Einsatz fest

In Italien sind Ermittler gegen die 'Ndrangheta sowie mutmaßliche Unterstützer der Mafiaorganisation vorgegangen. Unter den Verdächtigen sind auch zwei Politiker.
Bargeld und Wertgegenstände wurden von den Ermittlern beschlagnahmt

Bargeld und Wertgegenstände wurden von den Ermittlern beschlagnahmt

Foto: Anti-Mafia directorate of Catanzaro / AFP

Die italienische Polizei hat bei einem Anti-Mafia-Einsatz in mehreren Teilen Italiens Dutzende Verdächtige festgenommen. Unter den Beschuldigten sind sowohl mutmaßliche Bosse der 'Ndrangheta aus Kalabrien als auch Unternehmer, Behördenleute und Politiker.

Wie die italienische Nachrichtenagentur ADN Kronos berichtete, wurden 13 Menschen verhaftet, 35 weitere unter Hausarrest gestellt. Ihnen wird unter anderem Steuerhinterziehung durch falsche Rechnungen, kriminelle Verschwörung und das illegale Erlangen öffentlicher Aufträge vorgeworfen. Dabei soll es unter anderem um den Bereich der Corona-Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe gehen.

Unter den Verdächtigen sind auch der ehemalige Parlaments- und Europaabgeordnete Lorenzo Cesa und ein weiterer Politiker der christdemokratischen UDC. Sie werden der Zusammenarbeit mit der 'Ndrangheta verdächtigt. Cesa bestritt nach einer Durchsuchung alle Vorwürfe. Er trat jedoch von seinem Parteiposten zurück, wie die Agentur Ansa schrieb.

»Strukturell komplex und hoch organisiert«

Die Gruppe sei »strukturell komplex und hoch organisiert«, hieß es von den Anti-Mafia-Ermittlern der Behörde DDA in der kalabrischen Regionalhauptstadt Catanzaro. Zentrale Verdächtige wurden in Crotone ausgemacht, wo die 'Ndrangheta zu Hause ist. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf diverser Mafiadelikte und Unterstützung der Organisation beschlagnahmten die Fahnder Immobilien, Autos und andere Vermögenswerte im hohen Millionenbereich. Der Einsatz wurde von dem bekannten Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri geleitet.

Erst vor rund einer Woche, am 13. Januar, hatte in Kalabrien einer der größten Mafiaprozesse der vergangenen Jahrzehnte begonnen. Die 'Ndrangheta gilt als Italiens mächtigste Mafiaorganisation. Auf ihr Konto gehen unter anderem Morde, Drogenhandel, Erpressungen, Geldwäsche und illegale Müllentsorgung.

bbr/dpa/AFP
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