Mafia Polizei verhaftet Camorra-Boss nach Verfolgungsjagd

Im süditalienischen Aversa hat die Polizei den berüchtigten Camorra-Boss Carmine Schiavone verhaftet. Bei seiner Festnahme gab sich der Mafioso gönnerhaft: "Das habt ihr gut gemacht", lobte er die Einsatzkräfte.


Rom - Sein Vater gilt als die Nummer eins des berüchtigten Camorra-Clans der Casalesi: Jetzt wird Carmine Schiavone dem bereits seit 1998 einsitzenden Francesco Schiavone, alias Sandokan, ins Gefängnis folgen.

Ein Großaufgebot der Carabinieri hat am Montag in der süditalienischen Stadt Aversa den Camorra-Boss verhaftet. Der Schlag gegen die Mafia erfolgte gegen 6 Uhr morgens in einem Lokal mit dem biblischen Namen Kain, mitten im Zentrum der Stadt Aversa in der Provinz Caserta in Kampanien.

Offenbar hatten sich hier mehrere Bosse der Camorra zu einer Sitzung versammelt, als die Sicherheitskräfte zuschlugen. Schiavone sei zunächst durch den Hinterausgang des Lokals geflohen, hieß es. Nach einer Stunde Verfolgungsjagd sei es den Carabinieri dann gelungen, ihn zu stellen. "Ich hab' es ja nicht so mit der Polizei, aber das habt ihr gut gemacht", lobte Schiavone die Beamten bei seiner Verhaftung. Auf dem Weg ins Gefängnis warf er den Kameras noch einen Kusshand zu.

Rund 8000 Euro trug der Mafioso bei sich, außerdem eine Waffe. Wegen versuchter Erpressung soll ihm nun der Prozess gemacht werden. Laut Staatsanwaltschaft soll er kurz vor Weihnachten von einem Unternehmer aus Aversa 10.000 Euro Schutzgeld gefordert haben. Der Polizei zufolge gibt es weitere Geschäftsleute, die vom Casalesi-Clan erpresst wurden und aussagen wollen.

Auch finanziell ging es den Casalesi heute an den Kragen: Die Anti-Mafia-Behörde in Rom konfiszierte Vermögen der zum Clan gehörenden Familie D'Alterio in Höhe von zwei Millionen Euro.

Der Clan der Casalesi ist eine Art Kartell der Camorra, das seinen Namen von dem Ort Casal di Principe ableitet. Er ist über die Grenzen Italiens hinaus aktiv, so zum Beispiel in Spanien oder auch Schottland. Der Jahresumsatz der kriminellen Organisation wird auf 30 Milliarden geschätzt. Auf ihr Konto sollen weit mehr als 600 Morde in den vergangenen 30 Jahren gehen.

Auch Schiavones Brüder Ivanhoe, Emanuele und Nicola sind bereits in Haft - letzterer ist wegen dreifachen Mordes angeklagt. Von den insgesamt fünf Kindern des "Sandokan" ist mithin nur noch eines, Walter Schiavone, auf freiem Fuß. Carmine Schiavone ist nicht zu verwechseln mit einem gleichnamigen Cousin seines Vaters, der abtrünnig wurde und seitdem mit den italienischen Justizbehörden zusammenarbeitet.

ala



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