Festnahme Mafiaboss lebt 28 Jahre unentdeckt in Brasilien

30 Jahre lang fehlte von Pasquale Scotti jede Spur. Während Interpol nach ihm fahndete, baute der Mafiaboss sich in Brasilien ein neues Leben auf. Nun wurde er gefasst.
Pasquale Scotti: In Italien wegen mehr als 20 Morden angeklagt

Pasquale Scotti: In Italien wegen mehr als 20 Morden angeklagt

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Unternehmer, verheiratet, zwei Kinder - Francisco de Castro Visconti führte ein unauffälliges Leben im Nordosten Brasiliens. 28 Jahre lang lebte er in der Millionenstadt Recife, importierte Lebensmittel, gründete eine Familie. Doch nachdem er seine Söhne am Dienstag zur Schule gebracht hatte, warteten die brasilianische Polizei und Interpol auf ihn.

Um 7.30 Uhr wurde der Camorra-Boss in einer Bäckerei festgenommen. Er soll keinen Widerstand geleistet haben. "Ich bin es, ihr habt mich gekriegt", so sein lapidarer Kommentar. Kurze Zeit später wurde bekannt: Francisco de Castro Visconti ist ein gesuchter Mafiaboss aus Italien, sein wahrer Name Pasquale Scotti, früher "Collier" genannt, weil er der Frau des neapolitanischen Superbosses Raffaele Cutolo einst ein kostbares Schmuckstück geschenkt hatte.

Zahlreiche Morde soll der heute 58-Jährige begangen haben. Doch die italienische Justiz wurde seiner nie habhaft. Seit 1986 war Scotti auf der Flucht. "Er hinterließ keine Spuren", sagte ein italienischer Polizist. In seinem Heimatland wurde der Mafiaboss 1991 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll zwischen 1980 bis 1983 in 20 Mordfälle involviert gewesen sein, wie die Bundespolizei in Brasília nach der Festnahme mitteilte.

Scotti galt früher als rechte Hand des mächtigen neapolitanischen Camorra-Chefs Cutolo. Italien dürfte nun seine Auslieferung beantragen. Italiens Innenminister Angelino Alfano dankte Brasilien und sprach von einem außergewöhnlichen Erfolg.

Den Ermittlern war es gelungen, den Verdächtigen anhand von Fingerabdrücken zu identifizieren. Einem Bericht des brasilianischen Fernsehnetzwerks Globo zufolge hatte Scotti einen brasilianischen Ausweis und war wahlberechtigt . Gegenüber der brasilianischen Polizei soll er demnach ausgesagt haben, dass seine brasilianische Familie nichts von seiner Mafia-Vergangenheit und der falschen Identität gewusst habe. Den Ermittlern sagte er bei seiner Festnahme: "Pasquale Scotti existiert nicht mehr, er ist in den Achtzigerjahren gestorben."

brk/ala/dpa/Reuters
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