Magdeburg Polizei räumt Fehler nach Straßenbahnattacke ein

Ein Mann soll kurz vor Ostern in einer Magdeburger Straßenbahn zwei Menschen angegriffen haben. Die Polizei brachte ihn in eine Psychiatrie, setzte jedoch erst nach den Feiertagen Ermittlungen in Gang.

Straßenbahn fährt in Magdeburg über die Anna-Ebert-Brücke (Archivbild)
DPA

Straßenbahn fährt in Magdeburg über die Anna-Ebert-Brücke (Archivbild)


Die Spitze der Polizei in Sachsen-Anhalt hat nach einer Prügelattacke auf zwei Fahrgäste in einer Straßenbahn in Magdeburg schwere Ermittlungsfehler eingeräumt. Die mit dem Fall betrauten Beamten seien von den Standards der Ermittlungsarbeit abgewichen, sagte der Chef der Polizeiinspektion Magdeburg, Tom-Oliver Langhans.

Die Staatsanwaltschaft sei nicht direkt eingeschaltet und die nötigen Ermittlungen nicht sofort in Gang gesetzt worden. Die Polizei arbeite das Geschehen auf und entschuldige sich bei den Verletzten.

Es geht um eine Kette von Versäumnissen: Am 18. April, dem Donnerstag vor Ostern, gingen mehrere Notrufe ein, weil ein Mann in der Straßenbahn einer 18-Jährigen ohne erkennbaren Grund ins Gesicht geschlagen haben soll. Danach soll er einen 28-Jährigen verprügelt haben, der sich einmischte. Zwei weitere Fahrgäste konnten den Verdächtigen schließlich von dem 28-Jährigen trennen.

Drei Minuten nach dem Notruf waren Polizisten vor Ort. So rekonstruierten die Behörden das Geschehen. Der 34-jährige Angreifer war auch ihnen gegenüber aggressiv. Die Beamten brachten ihn in psychiatrische Obhut, kümmerten sich aber nicht um einen Haftbefehl.

Am nächsten Tag war er wieder auf freiem Fuß. Dabei sollen die Beamten schon am Tattag gewusst haben, dass der Mann in Nordrhein-Westfalen bereits wegen drei ähnlicher Fälle aufgefallen war. Eine Woche nach der Tat wurde der Verdächtige verhaftet.

"Nach dem, was vorlag, hätte klar sein müssen, dass der Fall nicht über Ostern liegen bleiben kann", so die Leiterin der Abteilung Polizei im Innenministerium, Christiane Bergmann.

kko/dpa



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