Malcolm X Nachkommen belasten Polizei und FBI schwer

Vor 56 Jahren wurde Malcolm X erschossen: Seine Familie hat nun einen Brief präsentiert, laut dem FBI und New Yorker Polizei an der Verschwörung um den Mord beteiligt waren.
Malcom X (r.) und Martin Luther King Jr. (im Jahr 1964)

Malcom X (r.) und Martin Luther King Jr. (im Jahr 1964)

Foto: MARION S. TRIKOSKO/ AFP

Am 21. Februar 1965 starb Malcolm X, als Attentäter bei einem Vortrag in New York 21 Schüsse auf ihn abfeuerten. Die Täter waren Mitglieder der religiös-politischen Organisation Nation of Islam, die X bis zu seinem Bruch mit dem Anführer Elijah Muhammad entscheidend geprägt hatte. Doch bis heute ranken sich Verschwörungsmythen um den Tod des bekannten Bürgerrechtlers.

Nun, genau 56 Jahre nach seinem Tod, hat sich die Familie von Malcolm X zu Wort gemeldet. Darüber berichtet unter anderem der britische »Guardian« . Am Wochenende veröffentlichten die Nachfahren einen Brief eines ehemaligen verdeckten Ermittlers der New Yorker Polizei (NYPD). Den Angaben zufolge hatte Raymond Wood den Brief auf seinem Sterbebett diktiert.

In dem Schreiben erklärt er, dass FBI und NYPD eine wichtige Rolle in der Vorbereitung der Ermordung von Malcolm X gespielt hätten. Demnach habe Wood von seinen Vorgesetzten die Anweisung bekommen, zwei Sicherheitsleute des Bürgerrechtlers in eine Falle zu locken.

Das FBI äußert sich nicht zu den Vorwürfen

Nach eigenen Angaben brachte der verdeckte Ermittler Wood die Männer dazu, Straftaten zu begehen. Die folgende Festnahme habe sie davon abgehalten, am Tag der Ermordung die Türen am Audubon Ballroom in New York City zu bewachen. Dort wurde Malcolm X am 21. Februar 1965 erschossen. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung stand X unter Überwachung des FBI. Von der Bundespolizei gibt es noch keine Reaktion auf den jüngst veröffentlichten Brief.

Als einziger der drei Todesschützen hatte Thomas Hagan die Tat damals eingeräumt. Er war im Jahr 2010 nach rund 45 Jahren im US-Strafvollzug wieder freigekommen. Die beiden anderen mutmaßlichen Schützen waren bereits seit den Achtzigerjahren auf freiem Fuß gewesen. Sie hatten bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Schon seit den Urteilen gab es immer wieder Experten und Historiker, die eine weiterreichende Verschwörung hinter der Bluttat vermuten.

Mit Wortgewalt neue Anhänger gewonnen

Malcolm X hatte nach einem Umweg über Kriminalität und Haft zur Bürgerrechtsbewegung gefunden und war schnell zum Wortführer der Nation of Islam aufgestiegen. Weil sich seine Ideen zunächst stark von Martin Luther Kings friedlichem Aufruf zum Protest unterschieden, wurde er in den Medien vielfach als Radikaler, als »Hassprediger« dargestellt.

Malcolm X' zentraler Wirkungsort war der New Yorker Stadtteil Harlem. Hier hatte er für die Nation of Islam den Tempel übernommen und es mit seinem Redetalent verstanden, unzählige neue Anhänger für die Sache zu gewinnen.

Durch seine Vergangenheit in Armut und Kriminalität verstand er es wie kein anderer, die arme schwarze Bevölkerungsschicht anzusprechen. Gleichzeitig hatte er sich im Selbststudium von Philosophie, Geschichte und Rhetorik einen immensen Wissensschatz angeeignet und ein außergewöhnliches rhetorisches Talent entwickelt.

Die Gedankenwelt des Aktivisten veränderte sich allerdings besonders in den letzten zwei Jahren vor seiner Ermordung deutlich, er suchte ein Bündnis mit gemäßigteren, weniger militanten Bürgerrechtlern – einer der Gründe, die zu seinem Bruch mit der Nation of Islam führten.

jok
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