Malmö Heckenschütze verübt neuen Anschlag

Hilflos muss die Polizei im schwedischen Malmö zusehen, wie ein Serientäter weiterhin Anschläge verübt. Erneut hat der Heckenschütze, der gezielt Zuwanderer ins Visier nimmt, zugeschlagen - er schoss auf zwei Frauen durch deren Küchenfenster.

REUTERS/ Scanpix

Malmö/Hamburg - Mehr als 15 Menschen meist dunkler Hautfarbe wurden bereits Opfer der Anschlagsserie im südschwedischen Malmö, viele von ihnen wurden schwer verletzt, eine Frau starb.

Nun schlug der Unbekannte wieder zu. Am Donnerstagabend schoss er durch ein Küchenfenster in eine Wohnung, traf eine 26-jährige Frau in den Rücken und eine 34-Jährige in die Hand.

"Bisher haben wir absolut keine Zeugenaussagen, die uns einem Verdächtigen näherbringen könnten", musste Fahndungschef Mats Lassén einräumen. Nach den Schüssen auf die Frauen in der Wohnung konnten Zeugen immerhin erstmals brauchbare Angaben über den flüchtenden Täter machen.

"Wir müssen uns darauf einrichten, dass er wieder zuschlägt", warnte Lassén. Die Fahnder wollen nicht mitteilen, wie viele Anschläge dem Heckenschützen genau zugeschrieben werden. Von 10 bis 15 Fällen innerhalb der letzten zwölf Monate mit immer demselben Muster ist die Rede: Opfer sind stets dunkelhäutige Männer oder Frauen, die in abendlicher Dunkelheit von hinten beschossen werden, oft beim Warten an der Bushaltestelle. In keinem Fall habe sich irgendein konkretes Motiv ermitteln lassen.

"Laserman" schoss in neunziger Jahren auf Ausländer

Der wahrscheinlich 20 bis 40 Jahre alte Täter ziele stets auf den Oberkörper, teilte die Polizei mit. Er nehme also den Tod der Opfer in Kauf. Bislang ermordete er eine junge Schwedin - zu Beginn der Anschlagsserie im Oktober vorigen Jahres. Sie war als einziges der bisherigen Opfer hellhäutig und wurde in ihrem Auto zusammen mit einem dunkelhäutigen Begleiter beschossen.

Schwedens Justizministerin Beatrice Ask nannte die Anschlagsserie schrecklich und sagte massive Unterstützung für die Polizei in Malmö zu, Schwedens drittgrößter Stadt.

Die Anschlagsserie weckt böse Erinnerungen an den als "Lasermann" bekanntgewordenen Heckenschützen Jan Ausonius, der 1991 und 1992 in Stockholm sowie Uppsala mit seinem Gewehr Jagd auf Ausländer gemacht hatte. Sie waren ihm "verhasst", er wollte, dass sie aus Schweden verschwinden, sagte er später. Eins der Opfer starb, zehn wurden zum Teil schwer verletzt. Gefasst wurde der Mann nach einem Bankraub - und später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ermittlungen auch in rechtsextremen Kreisen

Zehn Jahre später tötete in der US-Hauptstadt Washington ein Heckenschütze mit einem jugendlichen Helfer bei 13 Anschlägen zehn Menschen. John Allen Muhammad wurde gefasst, zum Tode verurteilt und 2003 hingerichtet.

In Malmö arbeitet die Kripo an einem Täterprofil. Ermittelt werde unter anderem auch in rechtsextremen Kreisen, sagte ein Sprecher. Ansonsten äußern sich die Experten noch betont zurückhaltend über einen Zusammenhang zwischen der Anschlagsserie und Ausländerfeindlichkeit.

Im September schafften die betont zuwanderungskritischen Rechtspopulisten der Schweden-Demokraten mit Forderungen nach drastisch weniger Zuwanderung erstmals den Sprung in den Reichstag.

Malmö ist von den schwedischen Großstädten diejenige mit dem höchsten Anteil an Zuwanderern.

pad/dpa



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