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23. Dezember 2016, 13:05 Uhr

Malta

Libysche Regierung bestätigt Flugzeugentführung

Eine Passagiermaschine auf einem libyschen Inlandsflug ist entführt worden und in Malta gelandet. Laut Medienberichten drohen die Entführer, das Flugzeug in die Luft zu sprengen. An Bord sind 118 Menschen.

In Libyen ist ein Flugzeug entführt worden. Das bestätigte die international anerkannte Regierung des Landes. An Bord der Maschine sind 118 Menschen - 111 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder. Die Maschine war auf dem Weg von Sabha nach Tripolis, wurde aber nach Malta umgeleitet.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Malta meldete, zwei Entführer seien in der Maschine. Sie drohten, das Flugzeug mit Handgranaten in die Luft zu sprengen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf einen Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden, der Pilot habe in Libyen landen wollen, sei aber von den Entführern daran gehindert worden.

Einer der Entführer soll gesagt haben, man werde alle 111 Passagiere freilassen, wenn seine Forderungen erfüllt würden. Worin sie bestehen, ist unklar. Laut der "Times of Malta" soll der Mann der Crew gesagt haben, er unterstütze den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Dieser war 2011 getötet worden; seitdem bekriegen sich in dem Land rivalisierende Milizen. Sabha, Startort der Maschine, galt als Hochburg der Gaddafi-Unterstützer.

Die Maschine steht in Malta auf dem Rollfeld. Sicherheitskräfte haben sich wenige hundert Meter entfernt positioniert. Der Flughafen bestätigte via Twitter, Notfallteams seien wegen des Vorfalls entsandt worden.

Bei den Passagieren handelt es sich laut Maltas Premierminister Joseph Muscat um 82 Männer, 28 Frauen und ein Kind. Ein Verhandlungsteam steht der Regierung zufolge am Flughafen bereit und warte auf Anweisungen Muscats. Der Premier twitterte, er habe mit seinem libyschen Amtskollegen Faez al Serraj gesprochen.

Bei der Maschine handelt es sich um einen Airbus A320 von Afriqiyah Airways, einer staatlichen Fluglinie. Malta liegt etwa 500 Kilometer nördlich der libyschen Küste.

Alle anderen Flüge von oder nach Malta wurden gestrichen oder umgeleitet. Das wirkt sich auch auf Flugverbindungen von und nach Deutschland aus. Fünf Flugzeuge auf dem Weg nach Malta seien zum Flughafen Catania auf Sizilien geleitet worden, schreibt der Flughafen auf seiner Internetseite. Für weitere acht Flieger wurde kein Alternativ-Ziel angegeben, darunter fünf Maschinen aus Frankfurt/Main, eine davon von der Lufthansa. Ein Lufthansa-Flug von Malta nach München wird als verspätet oder gestrichen gemeldet. Vier weitere Flieger nach Frankfurt/Main - darunter eine Lufthansa-Maschine - werden als verspätet angegeben.

ulz/Reuters/dpa

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